Back to the Wüste!

Shalom!

Aufgrund der Corona-Krisensituation musste ich wieder nach Deutschland zurückkehren. In einem späteren Eintrag mehr dazu. Auf jeden Fall habe ich jetzt viel Zeit hier und dachte mir, ich könnte meinen Blog noch vervollständigen, schließlich fehlt der komplette März.

Am 27.02.2020 war unser Halbjähriges in Israel. Zufälligerweise war das auch genau der Tag, an dem es für uns wieder zu einem neuen Ausflug ging. Wir wollten wieder in die Wüste, diesmal zum Krater Mizpe Ramon. Die gleichnamige Stadt liegt direkt am Rand des Kraters. Ursprünglich war sie nur eine Zwischenstation für Reisende auf dem Weg durch die Wüste. Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts wuchs sie zu einer Stadt heran. Trotzdem liegt die Einwohnerzahl auch heutzutage nur bei knappen 5000 Einwohnern.

Auf jeden Fall fuhren Paula und ich am Donnerstag mit dem Bus vor. Johann, Leo und Felix aus Haifa wollten am Freitag nachkommen (die Faulenzer). Natürlich verpassten wir unseren Anschlussbus in Ber Sheva. Trotzdem kamen wir am Abend in Mizpe an und fanden nach einigem Rumlaufen und Rumfragen auch eine wunderschöne und gemütliche Unterkunft. Den Abend ließen wir mir netten Gesprächen und vielen Tassen Tee ausklingen.

Nach einer eiskalten Nacht liefen Paula und ich zum Krater. In nur 15 Minuten waren wir einmal durch die gesamte Stadt gelaufen. Der Ausblick über den Krater war gigantisch. Wir ließen und nieder und genossen unser Frühstück in der Sonne am Rande des Kraters.

Gegen Mittag trafen die Jungs ein. Wir holten sie vom Hostel ab und zeigten ihnen danach nochmal den Krater. Zufälligerweise trafen wir Amelie mit ihrer Familie dort!

Dann mussten wir uns leider beeilen, denn wir wollten uns den Sonnenuntergang vom Kamelfelsen aus anschauen.

Unser Hostel veranstaltete an diesem Abend ein Shishi-Dinner. Also ein gemeinsames Abendbrot mit Gebet und Gesang, um den Beginn des Shabbats zu feiern. Das ließen wir uns natürlich nicht entgehen!

Die Jungs wollten sich am nächsten Morgen den Sonnenaufgang anschauen. Da Paula und ich jedoch nicht freiwillig 5:30 Uhr (!!!) aufstehen wollten, verzichteten wir auf den Sonnenaufgang. Natürlich wurden wir auf sanfte Art und Weise *hust hust* geweckt, als unsere männlichen Gefährten zurück kamen…

Am nächsten Tag wollten wir eine kleine Wanderung durch den Krater machen. Schnell entschieden wir uns für eine Route, packten das Nötigste ein und stiefelten los! Die Strecke war wunderschön. Überall blühten die Blumen, die Landschaft war vielseitig und beeindruckend. Und mit Leo und Johann hat man auch immer viel Spaß (auch wenn die Späße oft auf meine Kosten sind, die Blödmänner)! Am Ende unseres Wegs lag ein See, in den die Jungs natürlich rein wollten. Es soll sehr kalt gewesen sein…

Zwei Tomaten im Bus

Eigentlich wollten wir zum Abschluss des Tages noch auf die Alpaka-Farm, aber die haben wir dann doch sausen lassen. Stattdessen gönnten wir uns ein großes Eis! Währenddessen wurde natürlich wieder viel gequatscht und gelacht. Und neben Bauchmuskelkater vom Lachen nahmen wir auch alle einen schönen Sonnenbrand mit zurück nach Hause.

Tja, das war unser Kurztrip nach Mizpe Ramon, ein Städtchen, das echt einen Besuch wert ist!

Bis bald, lehitraot!

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Nochmal Tourist sein

Nach unserem schönen Ausflug in die Wüste war für mich Durcharbeiten angesagt. Mich haben nämlich vom 09.02. bis 16.02. mein Opa und meine Schwester besucht. Und damit ich so viel Zeit wie möglich mit ihnen verbringen konnte, habe ich zwei Tage vorgearbeitet. Das hat mich aber natürlich nicht davon abgehalten, zu einer super geilen 80er-Party unserer Nachbar-WG zu gehen!

Wie habe ich mich auf meinen Urlaub gefreut!

Am Sonntag haben mich dann mein Opa und meine Schwester von der Station abgeholt. Es war richtig schön, und meine Kollegen haben sich gefreut, meine Familie kennenzulernen.

Am nächsten Tag haben wir trotz schlechtem Wetter und Regen Tel Aviv erkundet. Insgesamt sind wir einmal durch die gesamte Stadt gelaufen, vom Carmel Markt zum Hafen. Den Tag haben wir entspannt in einem schicken Restaurant ausklingen lassen.

In Nazareth

Da das Wetter am Dienstag immer noch nicht besser war, haben wir uns entschieden nach Nazareth zu fahren. Dort schauten wir uns die Verkündungskirche an und konnten sogar einem Gottesdienst an der Verkündungsgrotte teilnehmen! Anschließend gab es noch bergeweise gutes Essen in einem kleinen schnuckeligen Restaurant namens ,,Abu Ashraf“.

Am nächsten Tag ging es für uns nach Jerusalem. Dort haben wir uns vor allem die touristischen Höhepunkte angesehen. Mein Opa war schließlich nur eine Woche in seinem Leben in Jerusalem und wollte in dieser kurzen Zeit alles Wichtige gesehen haben! So ging es für uns zur Grabeskirche, Klagemauer und zum Felsendom. Abgeschlossen haben wir den Tag auf einem Aussichtspunkt mit Blick über die Altstadt von Jerusalem.

Dann stand das Tote Meer auf dem Programm. Tja, da kann man nicht so viel sagem, außer, dass es wirklich für alle ein großer Spaß war! (Außer für Nisi, die von mir eingeschlammt wurde, hihi). Am gleichen Abend ging es für uns noch in eine Jazzbar, das perfekte Ende für den Tag!

Am Wochenende haben wir uns dann noch den Rest von Tel Aviv angeschaut. Unter anderem waren wir in Jaffa und haben den besten Hummus der Stadt probiert. Außerdem haben wir noch einen langen Spaziergang durch den Yarkonpark und dann am Strand entlang gemacht.

Freude nach dem Friseur

Und dann war die Woche auch schon zu Ende! Der Tag, an dem die beiden wieder geflogen sind, gehörte mit zu meinen schlimmsten Tagen in ganz Israel. Zuerst habe ich Opa und Nisi zum Flughafen gebracht, dann wurden mir die Haare total verschnitten (ich sag nur: Vokuhila-Style), dann habe ich auch noch Migräne bekommen und lag an meinem Urlaubstag die ganze Zeit nur im Bett! Aber meine lieben Mitbewohnerinnen haben mir Pizza bestellt und nach einer ordentlichen Mütze Schlaf sah die Welt auch nicht mehr so schwarz aus. Ich habe mich am Ende meines Urlaubs echt wieder darauf gefreut, arbeiten zu gehen.

Die Woche war echt sehr schön, nur meine Oma, die leider Zuhause bleiben musste, hat gefehlt.

Jetzt komme ich wieder langsam in den Arbeitsalltag rein. In zwei Tagen bin ich einfach schon genau sechs Monate in Israel!

Bis bald, lehitraot!

Glückliche Zufälle im Nirgendwo

Als ich noch in Deutschland war, habe ich für ein halbes Jahr Krav Maga, einen israelischen Kampfsport, ausprobiert. In meiner allerletzten Unterrichtsstunde kam ich mit einem Mädchen ins Quatschen. Nach dem Training haben wir uns noch für eine Stunde unterhalten und Lebensgeschichten ausgetauscht. Ihr Freund war auch für ein Jahr in Israel gewesen. Begeistert berichtete sie mir von einem „Timna Nationalpark“ und davon, wie sie dort Sterne fotografiert hätten. Ich war von ihren Beschreibungen total begeistert und setzte mir als Ziel: Ich will dahin!

Letztes Wochenende war es soweit. Mit Toni wollte ich endlich meinen Traum umsetzen. Hinter mir lag eine aufregende Woche: An einem Tag hatten wir ein Seminar über die Geschichte der Israelis und Palästinenser. Freiwillige aller Städte und Einsatzstellen Israels kamen zusammen. Gemeinsam fuhren wir nach Barta’a, einem Dorf, dass 1949 geteilt wurde. An einem anderen Tag stach Toni mir ein zweites Ohrloch!

Freitagmorgen um 7 Uhr fuhren wir dann los, in Richtung Wüste. Aber, aller Anfang ist schwer: Ich vergaß mein Frühstück, musste nochmal zurück und bin den Weg zum Bus mit meinem schweren Rucksack auf dem Rücken gerannt. Zum Glück haben wir ihn noch bekommen. Trotzdem verpassten wir in Ber Sheva aufgrund der ‚Verlässlichkeit‘ des israelischen Bus- und Bahnsystems den Anschlussbus. Aber wir hatten wieder Glück. Nur 40 Minuten später kam ein Alternativbus.

See am Campingplatz

Gegen 13 Uhr kamen wir an unserer Haltestelle an. Mitten im Nichts stiegen wir aus und latschten eine weitere halbe Stunde bis zum Nationalpark. Dort angekommen wurde uns verkündet, dass es bis zu unserem Schlafplatz noch 10 km Laufweg wären. Wir waren schon am Überlegen, Fahrräder zu mieten, als einer Mitarbeiterin einfiel: „Ach, ich fahre ja in einer halben Stunde eh dahin, ich kann euch doch mitnehmen!“ Das Angebot haben wir natürlich nicht ausgeschlagen.

Unser Zelt haben wir schlussendlich neben einem künstlich angelegten See aufgeschlagen. Wir wollten aber die letzten hellen Stunden noch nutzen und machten uns gleich auf zu den Solomons Pillars. Die Gesteinsformationen waren echt unglaublich. Wir sind rumgeklettert und haben uns unseres Lebens erfreut.

Das Abendessen barg jedoch eine böse Überraschung: Toni hatte den Hummus vergessen, sodass wir nur Mais und Gurke zum Füllen unserer Pitas hatten. Mhh, lecker…! Doch wieder war uns jemand wohl gesonnen: Spontan wurden wir zum Shabbat-Dinner eines Kibbutzes eingeladen und konnten uns die Bäuche mit gutem Essen voll geschlagen. Nach dieser unverhofften Überraschung liefen wir noch einmal ein Stück hinaus in die Wüste. Wir wollten uns die Sterne anschauen. Irgendwann standen wir da und suchten den Himmel nach Sternenbildern ab. Es war ein wirklich magischer Moment…

Nach einer kalten Nacht ging es für uns richtig los. Wir packten unser Gepäck und stiefelten schnurstracks los. Eigentlich wird es empfohlen, den Park mit einem Auto oder Rad zu erkunden, da er so weitläufig ist. Doch Toni hatte sich gewünscht, dass wir wandern. Zum Glück fanden wir freundliche Urlauber, die unser Gepäck mit zum Eingang nahmen. Den ganzen Tag über liefen wir durch die weitläufige Landschaft und erkundeten die verschiedensten Gesteinsformen und Canyons.

,,The Mushroom“

Ich kann nicht mehr dazu sagen, außer, dass es unglaublich schön und beeindruckend war. Ich habe so etwas noch nie in meinem Leben gesehen. Die Bilder sprechen an dieser Stelle für sich…

Erschöpft, aber glücklich kamen wir letzten Endes wieder am Eingang des Nationalparks an. Wir waren so ausgelaugt, dass wir uns sogar auf die vor uns liegenden fünf Stunden Busfahrt freuten. Ein letztes Hindernis gab es allerdings noch: Die Busfahrt war 30 Shekel teurer als erwartet, dafür reichte unser Bargeld nicht aus. Allerdings hatten wir wieder einmal Glück. Einer der Passagiere bezahlte die insgesamt fehlenden 40 Shekel (10€!) für uns und wollte sie nicht mal zurück haben! Das hat uns zum einen den Arsch gerettet, zum anderen finde ich ein solches Verhalten wirklich inspirierend. Es stellt einen vor die Frage, wie man in einem solchen Moment handeln würde und hält einen dazu an, es unserem „Retter in der Not“ gleich zu tun.

Das war unser wunderschönes Wochenende! Dieses Wochenende arbeite ich durch, da nächste Woche mein Opa und meine Schwester kommen. Ich freue mich schon riesig auf sie!

Bis bald, lehitraot! 

Achtung, Steinböcke!

Von Regen, Sauna und Januar

Shalom!

Da ich in den letzten Wochen nicht gerade fleißig war, hier eine kurze Zusammenfassung des Januars:

,,Nein, in Israel regnet es nie“

Der Januar ist einer der kältesten Monate in Israel. In Tel Aviv herrschen tagsüber meist so 14°C-16°C. In Jerusalem kühlt es aber auch mal ganz leicht auf 8°C runter. Außerdem regnet es häufig. Und Regen in Israel ähnelt einem überfallartigem Sturzfall, der einen immer im ungünstigsten Moment überwältigt! Das Wetter ist natürlich nicht vergleichbar mit richtigem Winter, aber da es auch keine Outdoor-Aktivitäten zulässt, kann es doch belastend sein.

Meine erste Maßnahme gegen das Wintertief war das Fitnessstudio. Ich gehe mit Paula, einer Freundin aus dem Krankenhaus hin, zusammen macht es einfach mehr Spaß! Außerdem ist es ein guter Ausgleich zum Alltag und dem Krankenhaus. Besonders das Spinning (Fahrradfahren in einem kleinen Raum zu lauter Musik) hat es mir angetan! Nach dem Sport gönnen Paula und ich uns meist noch einen Sauna-Gang, er ist das absolute Highlight des Nachmittags! Ich mag es so sehr, gemeinsam mit Paula zum Sport mit anschließender Sauna zu gehen.

Ansonsten haben wir an den Wochenenden kleinere Ausflüge gemacht. Mit Mina war ich in Caesarea. Es ist eine kleine Stadt an der Küste Israels, die vor allem bekannt ist für ihre römischen Ruinen. Unter den Römern entstand dort ein bedeutender Handelshafen. Heute sind große Teile der Stadt noch erhalten. Wir übernachteten in einem schnuckeligen Hostel 1h Stunde von Caesarea entfernt und liefen am nächsten Morgen am Strand entlang zu den Ruinen. Es war windig und kalt. Die See war aufgewühlt. Links von uns erhoben sich die Dünen. Uns ergriff ein richtiges Ostsee-Feeling. Richtig schön! Im Endeffekt würde ich diesen einfachen Strandspaziergang als das Highlight unseres Trips bezeichnen.

An einem anderen Wochenende war ich mit Toni in dem Nahal Mearot Nationalpark. Eigentlich wollten wir nach Akko fahren. Als wir dort jedoch am Donnerstagabend ankamen, war die Stadt wie ausgestorben. Enttäuscht entschieden wir uns, wieder zurück zu fahren. Es kann halt nicht alles klappen. Stattdessen fuhren wir in besagten Nationalpark. Er beherbert eine der wenigen Höhlen weltweit, in denen die Coexistenz von Neandertalern und dem modernen Menschen nachgewiesen wurde. Dieses Zusammenleben hatte zur Folge dass heutzutage immer noch 1%-4% der DNA europäischer und asiatischer Menschen mit der der Neandertaler übereinstimmt. Ohne es zu wissen, hatten wir uns an solch historisch wertvolle Orte begeben!

mit meinen Mädels 🙂

Leider löschten wir all unser angeeignetes Wissen noch am gleichen Abend, indem wir uns große Mengen wertvoller Spirituosen munden ließen (upsi). Der Abend war allerdings unschlagbar spaßig und lustig!

Außerdem besuchte ich Lotti in Jerusalem. Ich fuhr einfach mal an einem Dienstag zu ihr. Gemeinsam stromerten wir über die Dächer der Altstadt. Danach besuchten wir die Armenische Taverne. Die war noch vollkommen weihnachtlich geschmückt: es stand noch ein Weihnachtsbaum und die ganze Zeit liefen Weihnachtslieder (Mitte Januar!). Eine Woche später kam Lotti nach Tel Aviv. Ich zeigte ihr einen Aussichtspunkt bei mir in der Nähe. Die Sicht war echt atemberaubend.

Leider eskalierte das Schimmelproblem wieder extrem. Ein Schlafzimmer wurde komplett unbrauchbar. Alles war voller Schimmel. Einen Vorteil hatte diese Katastrophe aber: es war so schlimm, dass die Israelis keine andere Wahl hatten, als sich dem Problem anzunehmen und es zu lösen. Jetzt ist er weg und jeder kann wieder in seinem Zimmer schlafen. Gott sei Dank! Es kann echt belastend sein, wenn jemand über Wochen im Wohnzimmer schlafen muss.

Ansonsten war ich halt auf Arbeit. In letzter Zeit bekomme ich immer mehr mit, wie Menschen sterben. Für mich ist das oft nicht leicht. Aber das wird schon. 🙂 Mein Hebräisch wird langsam immer besser. Das ist echt motivierend. Außerdem ist es gut für meinen Kopf!

Sobald das Wetter wieder besser wird, können wir auch wieder größere Ausflüge machen und wandern gehen. Darauf freue ich mich schon riesig! Ich lasse euch wissen, wenn es soweit ist.

Bis bald, lehitraot!

Ski in Israel

Shalom!

Die Reaktion meiner Mama als ich ihr erzählte, dass ich heute dorthin fahren würde, wo Schnee liegt, sah ungefähr so aus: ,,Isabel, du bist im Nahen Osten. Wo gibts da Schnee …???“

Tatsächlich gibt es einen Ort in Israel, an dem jedes Jahr Schnee liegt: der Berg Hermon im Norden des Landes, direkt an der Grenze zum Libanon. Er beherbert das einzige Ski- und Wintersportresort Israels. Und ganz ehrlich, wie lustig ist es bitte, in Israel Schnee zu sehen?

,,Ha’ar Hermon“

Ich war vorerst skeptisch gegenüber dem „Skifahren“-Teil unseres Plans. Das letzte Mal bin ich 2008, vor 12 Jahren Ski gefahren. Jedoch packte mich dann die Vorfreude und ich schloss mich unserem Trupp an.

Insgesamt mitgekommen sind Toni und ich aus Tel Aviv, vier Jerusalemer Freiwillige, darunter Manu und Lotti, die auch mit mir in Ein Gedi waren, und Benedict, ein Freiwilliger aus Haifa.

Wir mieteten einen Schlafplatz, nahmen einen Tag frei und fuhren kurzerhand die 4,5h nach Majdal Shams, einem Kaff in der Nähe vom Hermon hoch. Empfangen wurden wir von unserem arabischen Gastgeber mit Tee und Keksen. Als wir dann ganz deutsch unser mitgebrachtes Essen auspackten und anfingen zu kochen, schaute er nicht schlecht .. 😀

Am nächsten Tag ging es für uns auf die Piste! Nachdem wir zum Skigebiet getrampt waren, unsere Ausrüstung ausgeliehen und angeschnallt hatten, standen wir dann da. Bei -2°C. Im Schnee. Auf Skieren. Und nun???

Toni und ich waren die blutigen Anfänger unserer Gruppe. Eigentlich sind wir nur aus Spaß und der Ironie heraus mitgekommen. Für uns beide war es das erste Mal seit einer sehr langen Zeit auf Skiern. Also ging es für uns erstmal ganz professionell zur Kinderpiste. Als ich nach unserer ersten ,,Abfahrt“ vom Lift den Hang hochgezogen wurde, realisierte ich erstmal, dass ich gerade wirklich in Israel Ski fahre! Cooles Gefühl.

Nachdem ich die ersten Versuche ganz erfolgreich gemeistert hatte, befand ich mich durch irgendwelche seltsamen Umstände auf einmal mit Manu auf dem Lift hoch zur roten Piste. Tja, und oben angekommen gab es auch kein Zurück mehr. Also noch einmal tief Luft holen und runter da. Und es war so geil! Natürlich habe ich mich ein paar Mal hingelegt, aber zum Teil bin ich richtig schnell den Berg hinunter! Unten angekommen war ich voll mit Adrenalin und Glückshormonen.

Leider zog es sich dann zu und begann zu schneien. Toni und ich entschieden uns deswegen, im unteren Teil der Piste zu bleiben (nicht so wie die anderen Profiskifahrer-Adrenalinjunkies unserer Gruppe). Außerdem haben wir uns noch eine Pause auf der Techno-Berghütte gegönnt. Umgeben von intensiven Graswolken, bester Clubmusik und bierschlürfenden Israelis genossen wir unseren Kaffee. Gewissermaßen ein wenig Tel Aviv-Feeling auf 2800 Höhenmetern.

Unser Weg zurück gestaltete sich als ein wenig aufregender als geplant. Wir waren so spät dran, dass fast keine Autos mehr auf dem Parkplatz standen, die uns mit runter nehmen könnten. Jedoch waren wir aufs Trampen angewiesen. Toni und ich standen am Ende bei 2°C alleine da und hatten unfassbar großes Glück, als wir von einem der letzten Autos mitgenommen und sogar bis vor die Haustür gefahren wurden!

Am nächsten Tag ging es für uns wieder nach Tel Aviv. Empfangen wurden wir mit Sonnenschein und 15°C. Bei uns kamen echte Frühlingsgefühle auf. Da wir uns ja einen Tag freigenommen hatten, lag das gesamte Wochenende noch vor uns. Und was macht man an einem freien Wochenende in TLV? Natürlich feiern und das Nachtleben der Stadt genießen! 😀

Jetzt bin ich wieder zurück auf Arbeit und kann nur von meinem nächsten Mal Skifahren träumen. In meinem nächsten Eintrag werde ich die Ereignisse des Januars ein wenig für euch zusammenfassen. Es tut mir leid, dass schon wieder so lange nichts gekommen ist.

Bis dahin, lehitraot meine Lieben!

Heute trage ich blau!

Shalom!

Heute ging es für mich in die „Chederim Nituach“, in die Operationsräume. Unser Krankenhaus hat 25 Stück davon, was heißt, dass pro Tag bis zu 70 Operationen stattfinden können. Des Weiteren sind die Operationsräume und auch die Notaufnahme im Untergeschoss, sodass sie im Kriegsfall weiterhin funktionsfähig sein können.

Aber man kann natürlich nicht einfach in die Operationsräume gehen, nein! Ich musste im Krankenhaus 3x auf und ab laufen und ständig Leute anquatschen, um endlich meine Zuständige zu finden. Diese gab mir dann meine Uniform für den Tag. Im OP wird nämlich von allen nur blau getragen. Außerdem gibt es für jeden eine schickes Haarnetz und Schuhtüten. Auf allen anderen Stationen gibt es nur grüne, weiße und blau-weiße Uniformen.

Ich würde mir eine „Right Colectomy“ anschauen. Was ist das? Es ist die Entfernung des rechten Dickdarmabschnittes. In meinem Fall lag in diesem Darmabschnitt ein Tumor vor, der auf diese Weise entfernt werden sollte. Der verkürzte Dickdarm wird anschließend mit dem Dünndarm verbunden.

Jeder im OP war total nett zu mir. Ich durfte mit im Operationsraum bleiben und von ganz Nahem anschauen. Die Ärzte mussten den Bauch aufblasen und haben die OP über Kameras im Bauch der Patientin gelenkt. Ich konnte von außen sogar heimlich ein Bild für euch machen, hihi.

Der Moment, als der Darm aus dem Bauch geholt wurde, war echt cool! Der Tumor hatte tatsächlich eine schwarze Farbe!

Die nächste Operation behandelte eine „Hernia“. Dies ist der Bruch oder Austritt von Eingeweiden aus der Bauchhöhle durch eine Lücke in den angrenzenden Gewebeschichten. Der Mann, am dem die Operation durchgeführt wurde hatte diese Krankheit tatsächlich nur durch eine vorherige Operation bekommen. Diese hatte Muskelschichten beschädigt, wozu es zu dem Austritt kam.

Ich entschied mich, den Anfang noch anzuschauen. Und schwupp, eine Stunde später, hatte ich einen offenen Bauch vor mir liegen! Unglaublich.

Ich hoffe, niemandem ist beim Lesen dieses Eintrags schlecht geworden. Mir hat der Tag sehr gefallen!

Bis bald, lehitraot!

PS: Holger, falls ich medizinische Ungenauigkeiten untergemischt habe, kannst du mich gerne berichtigen!

Heimatausflug zu Weihnachten

Shalom!

Über Weihnachten war ich für eine Woche „Zuhause“ in Deutschland. Warum das Zuhause in Anführungszeichen? Kurz bevor ich geflogen bin, meinte Toni zu mir:,, Ach Isa, im Moment ist es so schön hier mit unseren Freunden, auf Arbeit und insgesamt so.“ Ich antworte:,, Ja, finde ich auch. Aber dann ist es doch umso schöner, nach einer Woche wieder nach Hause zu kommen.“ Eigentlich war das nur ein Versprecher, aber manchmal fühle ich mich wirklich heimisch hier.
Auf dem Weg zum Flughafen habe ich wieder einmal realisiert, wie glücklich ich sein kann, hier zu sein. Ich fahre aus meinem einen Jahr“ Urlaub“ nach Hause in den Urlaub. Ich habe eine Auszeit von meinem Aufenthalt hier genommen, aber es war ein schönes Gefühl zu wissen, dass es nicht zu Ende ist. Es war außerdem mein erstes Mal, dass ich alleine geflogen bin. Cooles Feeling, ich fühlte mich sehr unabhängig.
Zu Hause angekommen haben mich meine Schwester, meine beste Freundin und der Freund von meiner Mama in die Arme genommen. Die nächsten Tage waren vollgepackt. Ich habe viele meiner Freunde und meine Familie getroffen. Es war richtig schön, alle wieder zu sehen! Ich war auf dem Weihnachtsmarkt und habe richtigen deutschen Glühwein getrunken. Am ersten Tag in Deutschland sind wir erstmal ins Kaufland und haben einen Großeinkauf zu moderaten Essenspreisen gemacht, hihi. Außerdem gabs Spaghetti Carbonara von Mama! Auch mit meinem kleinen Bruder und meiner Schwester habe ich so viel Zeit wie möglich verbracht.
Weihnachten haben wir ganz traditionell in der Kirche und in den folgenden Tagen in Familie verbracht.


Es war schon cool, so eine Pause von der israelischen Unordnung zu haben. Außerdem musste ich mir während der ganzen Zeit keine Gedanken darüber machen, was ich heute Abend esse, wann ich Wäsche wasche und ob der Abwasch schon gemacht ist.
Ich war aber auch froh, wieder zurück in mein zweites Leben zu fahren. Ich genieße die Selbstständigkeit total. Auch wenn es manchmal nervig ist, mag ich es selbst entscheiden zu können, was auf den Tisch kommt.
Deutschland ist wie der ruhige Hafen, in den ich immer zurückkehren kann.

Am 27.12. Bin ich wieder zurück geflogen. Ich wurde mit einem typisch israelischem Moment empfangen: gleichzeitig kamen vier Flüge an, alle Passagiere strömten zur Passkontrolle und die Schalter? Waren einfach 15 Minuten lang nicht besetzt! Zum Glück habe ich es noch geschafft, vor Shabbat nach Hause zu kommen.

Ich war sofort wieder im Israel-Alltag drin. Trotzdem bin ich ziemlich geknickt, meine Liebsten so lange nicht mehr zu sehen…

Am Dienstag war Silvester. Wir haben eine große Party bei uns in der Wohnung geschmissen. Es gab zwar kein Feuerwerk, aber dafür haben wir für ordentliche Stimmung gemacht!

Bis bald, lehitraot!

Dezember in TLV

Shalom!

Da ich im Dezember so wenig geschrieben habe, hier ein Eintrag, der die letzten Wochen zusammenfasst:

Unsere Adeventszeit wurde ganz Tel-Aviv-mäßig mit einer (Advents-)Party eingeläutet. Danke an unsere geliebte Nachbar-WG für den lustigen Abend! Sie haben sogar einen ,,Weihnachtsbaum“ aus Palmenblättern und richtige Weihnachtsdeko gebastelt! Am nächsten Tag waren wir mit Freunden aus Haifa im Tel Aviver Art Museum. Das Museum ist riesig. Wir konnten bei Weitem nicht alles sehen. Doch die Ausstellungen wechseln regelmäßig, ich werde auf jeden Fall nochmal hingehen müssen.

Leider folgten auf dieses Wochenende zwei dunkle Wochen. Mittlerweile war die anfängliche Hochphase überwunden, Alltag und Normalität kehrten ein. Wenn man aber nur Action und Rumreisen ,,gewöhnt“ ist, kommt einem der Alltag schnell eintönig vor. Ich errinnere mich, nachmittags aus dem Krankenhaus zu kommen und nichts mit mir selbst anfangen zu können. Krampfhaft suchte ich nach einer Beschäftigung, einer Ablenkung von meiner Unzufriedenheit. Ich war ruhelos und saß wie auf heißen Kohlen. Ich wollte endlich wieder abends nach Hause kommen und erschöpft ins Bett fallen. Zu Odea meinte ich:,, I`m bored of having nothing to do.“ Als jedoch ein wenig Zeit ins Land ging und Weihnachten immmer näher rückte, füllte sich zum einen mein Wochenplan wieder, andererseits wurden meine Gedanken auch auf andere Sachen gelenkt. Mittlerweile habe ich diese Phase überwunden. Ich habe mir Pläne gemacht, wie ich meine Zeit füllen möchte und nehme das jetzt auch in Angriff.

Wohnlichkeit kehrt ein

Außerdem gab es einige Lichtblicke in dieser dunklen Zeit: Eines Tages kamen wir vom Sprachkurs zurück, da stand vor unserem Haus ein Regal. Begeistert zeigte ich es Toni. Ihr gefiel es auch. Also haben wir nicht lange weiterüberlegt und das Regal nach oben in unser Apartment geschleppt. Jetzt sieht unser Zimmer auch wirklich wie ein Zimmer aus! 🙂

Ein paar Tage später klopfte es an unserer Tür. Unsere Nachbarn standen davor und erklärten uns verzweifelt, dass, sobald wir warm duschten, unser Wasser in ihre Wohnung laufen würde. Es gab ein Leck in der Warmwasserleitung. Für uns hieß das: eine Woche lang nur eiskalt duschen! Juhu! Anfangs hatte es noch eine gewisse Komik in der Dusche zu frieren und dabei ,,Ice Ice Baby“ zu hören, aber leider wurde ich sehr schnell krank. Da Wohnungen in Israel nämlich grundsetzlich keine Heizungen haben, kühlte unsere sehr schnell aus. In Kombination mit einer Eisdusche jeden Tag nur semi-cool. Auf jeden Fall bekamen wir einen Handwerker, der unser Problem lösen sollte. Unser ,,Handyman“ Eli beschloss dann, alle Wasserleitungen neu zu verlegen. Israelische Qualitätsarbeit unterscheidet sich jedoch deutlich von deutscher (Löcher in den Wanden, zentimeterdicker Staub, offene Wände, Chaos). Für zwei Wochen lebten wir -sagen wir mal- sehr provisorisch. Das war ein Spaß :-). Mittlerweile ist alles überstanden. Wir haben wieder Warmwasser und geschlossene Wände.

An dem Wochenende vor Weihnachten haben Toni und ich unsere lieben Freunde in Haifa besucht. Haifa begrüßte uns bewölkt und voller Regen. Bevor wir jedoch traurig über das Wetter werden konnten, entdeckten wir, was es heißt, wenn Gussregen einen Berg ohne Abflüsse runterläuft. Auf den Straßen bildeten sich richtige Flüsse. Da mussten wir natürlich rein! Gesagt, getan, auf gings in die Wasserschlacht! Unterkühlt, aber glücklich kamen wir zurück in die Wohnung. Am Samstag danach haben wir beim Plätzchenbacken das erste Mal in Israel richtige Weihnachtsstimmung verspürt. Außerdem haben wir uns die Bahai-Gärten, die einzigste Sehenswürdigkeit Haifas, angeschaut.

Legendärer Bratapfel

Weihnachten wird ins Israel nicht groß gefeiert. Im Krankenhaus haben sie mir sogar erzählt, dass Weihnachen von den Juden nicht gemocht wird, da am 24.12. viele Juden im Holocaust vernichtet wurden. Silvester wird auch skeptisch betrachtet, da der liebe Herr Silvester ein Antisemit gewesen sein soll. Wir haben es uns trotzdem nicht nehmen lassen, ein Stück Weihnachten in die Ferne zu holen. Kurz vor Weihnachten haben wir ein festliches Bratapfel-Essen mit winterlicher Musik und gemütlichem Beisammensein veranstaltet.

Und ein Geschenk haben wir auch bekommen: Meine Mitbewohnerin Harriet hat eine kleine Babykatze auf der Straße gefunden, die jetzt Teil unserer WG werden soll. Sie ist nur zwei Monate alt. Wir haben ihr den Namen ,,Motek“ gegeben, der soviel wie ,,Süße“ auf Hebräisch heißt (und auf polnisch bedeutet es ,,Hammer“).

Bis bald, lehitraot!

Arbeitsalltag

Shalom!

First of all: es tut mir leid, dass ich mich so lange nicht gemeldet habe! Ich habe es einfach total verpeilt… Letztens musste ich meinen Zwischenbericht über die ersten drei Monate hier schreiben. Unter anderem wurde ich über meinen Arbeitsalltag und -abläufe gefragt. Das nehme ich jetzt einfach mal als Anlass, dies hier mit euch zu teilen.

Also Trommelwirbel und Bühne auf! Hier kommt mein Tag im Krankenhaus:

Vitalzeichen am Morgen

Meine Schicht geht von 7:00 bis 15:00 Uhr. Ich bin meistens kurz nach um 7 Uhr auf der Station. Das gibt mir genügend Zeit mich umzuziehen, noch kurz mit den Schwestern zu quatschen und ein Gläschen Wasser zu trinken, ehe ich mich gegen 7:15/7:30 Uhr ans Blutdruckmessen mache. Ich bin für den Blutdruck aller Patienten (zwischen 35 und 40 Personen) auf der Station zuständig. Mit meinem Wägelchen gehe ich dann in jeden Zimmer und messe Blutdruck, Fieber, Sauerstoffgehalt und Puls. Kommt mir etwas nicht koscher vor, melde ich es den Schwestern. Halb 10 bin ich dann meistens fertig. Daraufhin geht es in die Frühstückspause. Wenn ich Glück habe, kann ich die mit einer Kollegin oder meiner israelischen Freiwilligen zusammen machen. Danach werden die Tabletts fürs Mittagessen vorbereitet. Bis 11:30 Uhr erledige ich anfallende Aufgaben. Mal muss ich den Alkohol auffüllen, mal Betten und Nachtschränke putzen, mal kann ich einer Patientin in der Dusche helfen oder mache Botengänge. 11.30 Uhr geht es dann an das Blutzucker messen.

Date an der Sterilisatia

Danach tausche ich im Keller die gebrauchten, dreckigen Masken und Schüsseln in neue, sterile um. Hier treffe ich oft meine Mit-Freiwilligen oder halte ein lustiges Pläuschchen mit den Angestellten. Meine Mittagspause geht cira von 12:30 Uhr bis 13:30 Uhr. Oftmals muss ich dann noch irgendwas von irgendwo holen oder hinbringen. Nachdem ich die Tabletts nochmal fürs Abendbrot vorbereitet hab, setze ich mich meistens in den Empfangsbereich und helfe Patienten. Manchmal habe ich auch Zeit, mit meiner israelischen Freiwilligen Odea zu chillen und Kaffee zu trinken. Odea ist auch 19 Jahre alt und leistet ihren Zivildienst im Krankenhaus ab. Ihre Aufgabe auf der Station ist es lediglich, Blut zu nehmen. Sie ist übrigens auch nie um 7 Uhr da, sondern kommt so zwischen 8:00 und 9:30 Uhr auf Station eingetrudelt (israelisch halt!). Kurz vor 15 Uhr geht’s dann nach Hause!

Wird mir manchmal langweilig? Ja. Fühle ich mich manchmal unterfordert? Ja! Gibt es trotzdem gute Zeiten? Hach, machmal, ganz manchmal gibt es ein kleines Licht im Dunkeln… 😀

Nein, so schlimm ist es nicht. Ich wusste ja, was auf mich zukommt. Außerdem lerne ich fleißig Hebräisch und mache mir mit den anderen Freiwilligen eine schöne Zeit. Ich lerne viel über Zwischenmenschliches, Beziehungen und die Abläufe im Krankenhaus. Zum Beispiel habe ich hier festgestellt, wie sehr ich alte Leute mag. Etwas, was ich vorher noch gar nicht über mich wusste. Mit dem ein oder anderen Patienten habe ich sogar schon Nummern ausgetauscht, hihi!

Bis bald, lehitraot!

Isabel

Auf den Spuren Jesus

Shalom!

Vor einigen Wochen habe ich mit Paula ausgemacht, dass wir beide unbedingt mal zusammen wandern gehen müssen. Gesagt, getan. Schnell haben wir noch zwei andere Freiwillige, Manu und Kathi aus Jerusalem und Haifa ins Boot geholt und auf gings!

Unser Ziel war es, die letzte Hälfte vom Jesus Trail zu laufen. Der Jesus Trail ist ein 62km langer Wanderweg von Nazareth nach Kapernaum am See Genezareth. Er folgt dem Weg, den Jesu zurückgelegt haben soll und verbindet zahlreiche Stätten seines Wirkens und Lebens. Da wir nur das Wochenende zur Verfügung hatten, begann unsere Tour cira auf der Hälfte der Strecke.

Unsere Reisegruppe-sogar noch motivierter als die Silberlocken!

Am Freitag sind Paula und ich also um sechs aufgestanden und losgefahren. Mitten in der Pampa in der Nähe des Kibbutzes Lavi trafen wir auf unsere Weggenossen. Nachdem wir nach einigem Suchen den Wanderweg gefunden hatten, wurden wir erstmal von einer Reisegruppe hochmotivierter Silberlocken aufgehalten. Für ihr Alter waren die alle noch erstaunlich fit… Das verschaffte uns aber Zeit, noch ein Gruppenbild zu machen und den Mount Arbel von oben zu betrachten. Das Hochplateau war unser Ziel für den Abend. Schon eine erstaunliche Vorstellung, dass wir den ganzen Weg dorthin zu Fuß laufen wollten.

Unser Weg führte uns dann den Berg nach unten in ein uriges Tal. Dort unten zwischen den Bäumen war es vor allem kuhlastig. Wir sind fast die ganze Zeit über Kuhweiden gelaufen. Allerdings war das nicht schlimm, man hatte immer etwas zu gucken und wenigstens gute Gesellschaft. Durch das Tal schlängelte sich auch ein Bach. Dieser entpuppte sich als weitaus verheerender als die Kühe. Der Weg sah es vor, dass man den Bach so ungefähr 1000x mal überqueren musste. Dazu gab es Trittsteine, über die man drüberbalancieren konnte. ,,Wie lustig!“, denke ich, laufe los, in der Mitte des Flusses rutsche ich aus und stehe bis zu den Knöcheln im Matsch! Meine Schuhe und Socken waren komplett eingesaut und mit einer schönen Schlammschicht bedeckt. Huchherrje, würde die Paula jetzt sagen. 😀

Mit Matschschuhen ging es dann weiter über Stock und Stein, Kuhweiden und Bäche. Das Tal war wirklich sehr idyllisch. Am Ende des Tals lag ein Dorf, in dem uns ein netter Israeli unsere Wasserflaschen auffüllte. Ingesamt entpuppte sich dieses Dorf als Goldgrube: An fast jeder Ecke standen Orangen- und Mandarinenbäume mit reifen Früchten. Und die durften wir natürlich nicht verkommen lassen und haben fleißig geplückt! Die Orangen waren so gut! Als wir mit unserer Ausbeute weiterlaufen wollen, hält plötzlich ein Auto neben uns an. Zwei Israelis strecken ihre Köpfe raus und schenken und zum Beginn des Shabbats zwei Brote! Die Freude unsererseits war natürlich groß.

Die liebe Kathi hatte den Wunsch, sich den Sonnenaufgang über dem See Genezareth anzuschauen und wollte einen Schlafplatz mit der perfekten Aussicht für uns finden. Sehr zum Leidwesen von Paula und mir, denn wir sind cira einen Kilometer nur über Feld gelaufen, bevor wir uns niederließen (zugegebermaßen war der Spot dann aber doch schon sehr schön…). Nach gediegenen 12h Schlaf und einem Sonnenaufgang ging es am Samstag weiter.

Auf dem Mount Arbel mit Ausblick über den See Genezareth gab es für uns Frühstück.

Mount Arbel

Hier oben hatte ich ein Deja-vu: An Yom Kippur war ich schon mal auf dem Mount Arbel. Es war nur ein Eintages-Ausflug gewesen, deswegen hab ich hier nicht darüber geschrieben. Wir hatten damals auf einem Campingplatz am See geschlafen. Am Morgen war das Wasser auf dem Platz ausgefallen, sodass wir alle nur mit einem halben Liter Wasser bei 30°C zu einer 10km Wanderung aufbrechen mussten. Nachdem wir uns den Berg hochgehievt hatten, schon fast am Ende mit unseren Kräften und vollkommen verschwitzt oben angekommen waren, geschah ein Wunder. Zwei arabische Männer saßen dort, boten uns Pita, arabischen Kaffee und kaltes Trinkwasser an! Es war unglaublich… Auf jeden Fall stand ich damals auf der Bergspitze und habe noch gedacht ,,Hier komme ich nie wieder her, die Aussicht muss ich mir merken.“, tja, und dann hab ich da Frühstück gegessen. Wie es manchmal kommt.

Nach dem Frühstück ging es wieder an den Abstieg. Dieser verlangte viel Konzentration und einiges an Kletterkunst. Unten angekommen, ging es weiter übers Kuh-Minenfeld. Zur Stärkung dienten uns auf dem Weg gepflückte Grapefruits. Entschlossen wanderten wir weiter, bis wir an Bananenplantagen kamen. Die passierten wir ohne weitere Probleme (von unseren langsam schmerzenden Füßen mal abgesehen) und liefen das letzte Stück des Weges am See entlang. Hier war es ausnahmesweise mal richtig grün, total schön!

Gegen fünf Uhr, die Sonne war schon fast untergegangen, kamen wir nach 40km Wandern schlussendlich in Kapernaum an. Leider hatten alle Sehenswürdigkeiten schon geschlossen. Zuerst standen wir vor der Stadt und wussten nicht weiter. Dann entdeckte Manu einen kleinen Pfad ins Gebüsch. Kurzerhand liefen wir bei schwindendem Licht durchs Dickicht. Nach einigen Metern lichtete sich der Weg und offenbarte einen wunderbaren Ausblick über den See und auf den Sonnenuntergang. Wir waren total baff! Manu und ich konnten es uns auch nicht nehmen lassen, in dieser magischen Stimmung noch baden zu gehen. Die Bilder sprechen für sich:

Der Preis für den Trip war der unglaubliche Muskelkater, der mich den ganzen nächsten Tag verfolgte. Meine Beine haben so weh getan! Aber alles in allem war unser Ausflug richtig schön. Obwohl es nur zwei Tage waren, hat es sich wie ein Mini-Urlaub angefühlt. Ich freue mich auf die kommenden Ausflüge und Wochenenden.

Bis bald, lehitraot!

PS: Bei uns in der WG kehrt langsam die Weihnachtsstimmung ein. Die ersten Weihnachtskekse wurden schon gebacken!

Das Tote Meer

Shalom!

Letztes Wochenende ging es für uns wieder ,,on the road“! Wir waren eine große Gruppe: vier Leute aus zwei WGs in Tel Aviv und drei Freiwillige aus Jerusalem. Gemeinsam wollten wir in den Ein Gedi Nationalpark und ans Tote Meer fahren.

Voller Vorfreude fuhren Mina und ich also zur Central Bus Station in Tel Aviv- nur um dort unseren Bus nach Jerusalem und somit auch den Anschlussbus nach Ein Gedi zu verpassen. Die Schlange vor dem Bus war einfach zu lang als das wir noch reingepasst hätten. Aber nagut, es wäre ja nicht Israel, wenn alles glatt laufen würde. Die Jerusalemer fuhren also schonmal vor und wir später hinterher.

Endlich angekommen, schlugen wir in der Nähe vom Nationalpark unser Zelt auf. Wir gingen früh ins Bett, um am nächsten Tag fit zu sein und uns den Sonnenaufgang anschauen zu können. Den Platz, den wir uns zum Campen aufgesucht hatten, war echt schön! Als wir am nächsten Tag beim Frühstück saßen, lief erstmal eine Herde von bestimmt 20 Steinböcken an uns vorbei.

Dann ging es für uns in den Nationalpark. Der ist so schön. Er liegt mitten in der Wüste in einer Schlucht zwischen zwei Hochplateaus. Durch die Schlucht schlängelt sich ein Fluss, der das Leben dort ermöglicht. Überall gibt es Wasserfälle, unter denen man baden kann. Der Park ist bekannt für seine Vegetation und seine Tierarten. Unter anderem leben Klippschliefer und Steinböcke dort. Der Name Ein Gedi heißt wortwörtlich übersetzt auch so etwas wie „Ziegen-Quelle“, ein Hinweis auf die Tierpopulation vor Ort. Wir sind an verschiedenen kleinen Wasserfällen entlang gewandert und haben in natürlichen Pools gebadet. Schaut euch einfach die Bilder an, die sagen mehr als mein Geschwafel hier 😀

Leider hatte der zweite Teil des Tals schon geschlossen, bevor wir ihn ,,bewandern“ konnten. Da müssen wir wohl leider nochmal zurückkommen…;)

Drei unserer Freunde haben sich dann dafür entschieden, wieder nach Hause zu fahren. Wir vier, die dann noch übrig waren, beschlossen daraufhin, anstatt noch eine Nacht zu campen in Jerusalem in der WG von einem Freund zu schlafen. Ihr seht, wir sind ganz harte Camper!

Nach einer behüteten Nacht im Warmen, ging es dann für uns ans Tote Meer. Wir waren alle total aufgeregt und gespannt. Wie wird es wohl sein, schwerelos auf dem Wasser zu schweben? Als Badestelle haben wir uns den Kalia-Beach ausgesucht. Zwar mussten wir einige Schekel für dessen Benutzung bezahlen, doch dafür bekamen wir Duschen gestellt, etwas, was man bei einem Bad im Toten Meer nicht unterschätzen sollte! Es ist nämlich nicht ungefährlich dort zu Baden. Der hohe Salzgehalt in Verbinung mit den hohen Temperaturen vor Ort (als wir dort waren ca. 28°C) wirkt sehr austrocknend auf den Körper, sodass man Acht geben muss, nicht zu dehydrieren. Außerdem sollte man keine offenen Wunden oder sich kurz davor rasiert haben, denn das brennt extrem auf der Haut. Den Kopf unter Wasser zu tauchen, ist auch nicht erlaubt, da das Salzwasser sollte auf keinen Fall in die Augen gelangen sollte.

Trotzdem war es auf jeden Fall über alle Maße lustig, in dem salzigsten See der Welt zu Baden. Man schwimmt wie eine Boje auf dem Wasser. Es ist ein ganz eigenartiges Gefühl. Selbst wenn man wöllte, könnte man nicht untergehen. Natürlich haben wir uns danach auch noch mit dem berühmten Naturschlamm am Strand eingerieben. Von der Pflegewirkung haben wir nichts bemerkt, aber Spaß gemacht hat es trotzdem! Hier noch ein paar tausend Bilder:

Als wir am Abend nach Tel Aviv in unsere Wohnung zurück gekommen sind, hat es sich schon fast angefühlt, wie nach Hause zu kommen. Ich mag Israel immer mehr. Es gibt so viel zu sehen und zu entdecken.

Nächstes Wochenende geht es nach Nazareth!

Bis bald, lehitraot!

PS: Bei uns in der Mädels-WG sind Läuse ausgebrochen. Das ist ein Spaß, sag ich euch… :)))

Check-up aus Deutschland

Shabbat shalom!

Über Sukkot, dem jüdischen Laubhüttenfest, hatte ich schon das erste Mal Besuch aus Deutschland! Am 16. Oktober klingelte es 6:15 Uhr morgens an unserer Tür. Ich sprintete zur Tür und wurde von meiner Schwester, meiner Mama und ihrem Freund Jan empfangen. Freudestrahlend schlossen wir uns alle in die Arme!

Leider waren sie alle durch ihren Nachtflug sehr müde und ich musste auf Arbeit, sodass sich unsere Wege bis zum Nachmittag erstmal wieder trennten. Nach der Arbeit bin ich sie sofort in ihrer Ferienwohnung besuchen gekommen. Dort haben wir Neuigkeiten ausgetauscht und gequatscht. Und natürlich habe ich bewundert, was mein kleiner Bruder in den sechs vergangenen Wochen gelernt hat! Mittlerweile kann er krabbeln, hat fünf neue Zähne und zieht sich an allem, was ihm in den Weg kommt, hoch. Es ist echt bewundernswert, wie viel er in der kurzen Zeit gelernt hat und wie sehr er sich verändert hat. Fast genauso viel Begeisterung wie mein kleiner Bruder löste das große Nutella-Glas aus, das auf dem Esstisch stand. Nach dem ersten Zusammentreffen in der Wohnung sind wir zu mir gegangen, ich habe ihnen unsere Wohnung gezeigt und wir haben meine Sachen aus ihren Koffern ausgepackt. Sie waren nämlich so lieb und haben mir Unmengen (!!!) an Schokolade und Keksen mitgebracht (um euch die Größenordnungen vor Aufgen zu führen: Ich hab jetzt alleine 12 Tafeln Schoki).

Die nächsten fünf Tage hatte ich aufgrund der jüdischen Feiertage frei. So haben wir uns am Donnerstag in einen Mini-Bus gequetscht, sind zum Carmel Markt gefahren und durch Tel Aviv spaziert. Es war echt komisch, meine Familie in ,,meiner“ Welt zu sehen. Mich hat nicht nur einmal das Gefühl beschlichen, dass ich ihnen Tel Aviv gar nicht so zeigen kann, wie ich es erlebe. Ich erlebe ein anderes Tel Aviv als sie in der kurzen Zeit, in der sie hier sind, mitbekommen können. Trotzdem habe ich es genossen, mit ihnen durch die Gassen zu bummeln.

Die nächsten Tage haben wir uns Jaffa und Akko angeschaut. Akko ist eine Stadt im Norden von Israel, direkt am Meer. Sie ist vor allem bekannt durch seine Kreuzritter-Vergangenheit und für ihre Altstadt. Ihr Hafen ist einer der ältesten der Welt. Kein Wunder, dass die Stadt als UNESCO-Weltkulturerbe ernannt wurde! Sie ist vor allem arabisch geprägt. Es gibt einen großen Markt, der sich durch die ganzen kleinen Gässchen erstreckt. Die Altstadt ist von einer Mauer begrenzt und gleicht einem einzigen Labyrinth. Leider haben wir die alten Ritterhallen, eine große Sehenswürdigkeit Akkos, nicht gefunden. Dafür war der Hummus fantastisch. Nach Akko muss ich auf jeden Fall nochmal fahren!

Danach sind wir wieder zurück nach Tel Aviv gefahren und durch den Levinski-Gewürzmarkt, über den Rothschild-Boulevard (bekannt für seine Bauhaus-Gebäude) und am Hafen entlangspaziert. An vielen Ecken war ich bisher selbst noch nicht gewesen und es war echt schön, Tel Aviv so nochmal neu erkunden zu können. Natürlich durften auch die obligatorischen Kaffeepausen für Mama nicht fehlen. Hugo hat dafür gesorgt, dass die niemals langweilig wurden. Mal war er von den Ventialoren unglaublich begeistert, ein anderes Mal von einer überaus interessanten Plastikflasche..

An unserem letzten gemeinsamen Tag habe ich ihnen den Strand von Hadera gezeigt. Nach einer kurzen Wanderung über die Dünen, gelangten wir zu einer nahegelegenen, wunderschönen Bucht. Meine Mama war total begeistert davon! Mein Besuch hat sich dann noch ohne mich Jerusalem angeschaut, weil ich dann leider wieder arbeiten musste. Den Abend haben wir gemeinsam im Restaurant ausklingen lassen… 🙂

Ich war sehr froh über den Besuch aus Deutschland. Am Ende war ich schon sehr traurig, dass sie wieder fahren mussten. Ich denke, dass der Urlaub allen Beteiligten sehr gut getan hat. Meine Mama konnte beruhigten Gewissens sehen, dass ich hier in Israel wirklich alleine klar komme! Ich habe mich sehr gefreut, alle wiederzusehen.

In dem Sinne, bis zum nächsten Mal, lehitraot!

PS: An alle Verwandten und Freunde: haltet euch fest, schnallt euch an, sichert eure Lebensmittelvorräte: Isa kommt zu Weihnachten eine Woche nach Deutschland!

PPS: Es tut mir leid, dass so lange kein neuer Eintrag kam!

Medizin auf Hebräisch

Shalom!

Letzte Woche habe ich mit meiner Arbeit im Krankenhaus angefangen. Doch bevor ich davon anfange, zu erzählen, ein kleiner Sprung nach vorne:

In Vorbereitung auf unsere Arbeit auf den Stationen hat uns das Krankenhaus einer Woche ,,Nursery Teaching“ unterzogen. In dieser Woche sollten wir die wichtigsten Sicherheitsvorschriften und grundlegende pflegerische Tätigkeiten erlernen. Am ersten Tag erfuhren wir auch endlich unsere Stationen. Ich arbeite auf der Inneren Medizin. Die nächsten Tage über hatten wir Teachings übers Hände desinfizeren, die Ernährung im Krankenhaus und wie wir uns beispielsweise im Brandfall verhalten sollen. Richtig spannend wurde es, wenn wir selber tätig werden durften. So haben wir uns gegenseitig Blutdruck und Blutzucker gemessen. Am letzten Tag bekamen wir unsere Arbeitsuniformen und haben an Puppe Dalia das Waschen eines Patienten geübt. Zum Glück konnte Dalia nicht widersprechen, sonst hätte sie sich das ein oder andere Mal beschwert. Auch wie man einen Patienten füttert, wurde uns erklärt.

Letzte Woche war dann Schluss mit Lustig, die Arbeit hat angefangen. Da ich bis jetzt nur fünf Tage gearbeitet habe, kann ich noch nicht wirklich viel dazu sagen. Aber soviel zum ersten Eindruck:

Die Leute sind total lieb und passen auf, mich langsam an die Arbeit ranzuführen. Ständig wird mir irgendwas zu Essen (Kuchen und Süßes) oder zu Trinken (Tonnen an Kaffee) angeboten. Ich komme mir wirklich ein wenig gemästet vor. Vom ersten Tag an messe ich die Vitalzeichen von allen Patienten. Ansonsten putze ich, fülle Schränke auf, mache Botengänge. Heute wurde ich auch ans Essen austeilen rangeführt. Tatsächlich ist die Sprache ein großes Problem. Als jemand meinte, die Hauptumgangssprache im Krankenhaus sei Englisch, meinte er wohl unter den Ärtzen, nicht unter dem einfachen Fußvolk. Die Kuach Eser (die Hilfen der Schwestern) mit denen ich zusammenarbeite, können nur sehr wenig Englisch. Viele können besser Russisch als Englisch reden. Tja, muss ich halt umso mehr Hebräisch lernen! Im ein oder anderen Moment fühle ich mich in dem ganzen Hebräisch aber schon verloren. Manchmal habe ich das Gefühl, zugleich unter- und überfordert zu sein. Wenn mich ein Patient anspricht, möchte ich ihm helfen können. Ich bin optimistisch, dass das mit der Zeit besser wird. Man braucht halt ein bisschen Zeit, um in die Station reinzukommen. Zum Glück arbeite ich mit einer anderen netten, israelischen Freiwilligen zusammen! Sie hilft mir bei vielem.

In der nächsten zwei Wochen habe ich jedoch ständig freie Tage, da ich aufgrund der jüdischen Feiertage hier nicht arbeiten muss. Da muss ich halt leider leider am Strand liegen… 🙂

Soviel zum ersten Eindruck von der Arbeit im Krankenhaus!

Bis bald, lehitraot!

Jerusalem

Vom 29. September bis 01. Oktober wurde hier Rosh Hashana, das neue Jahr, gefeiert. Der jüdische Jahreskalender unterscheidet sich von unserem, sodass das neue Jahr Ende September beginnt. Für uns hieß das nur, dass wir vier freie Tage hatten. Und wie wollten wir die nutzen? Wir fuhren in die heilige Stadt- nach Jerusalem!

Soldaten feiern den Beginn von Shabbat

Unser Aufenthalt begann erstmal mit einem riesigen Einkauf. Über Rosh Hashana haben nämlich alle Läden geschlossen. Das bedeutet, dass wir uns mit Lebensmitteln für vier Tage eindecken mussten. Schlafen konnten wir zum Glück in der WG eines anderen Freiwilligen vom DRK. Danach sind wir zur Klagemauer gegangen, um den Beginn von Shabbat an der Mauer zu sehen. Soldaten tanzten im Kreis und sangen religöse Lieder. In dem Abschnitt vor der Mauer, der für Männer zugänglich ist, feierten ultraorthodoxe Juden den Shabbat. Es war aus Respekt vor der Religion sogar verboten, Fotos zu machen. Juden dürfen nämlich an Shabbat gar keine elektronischen Geräte benutzen.

Am Samstag haben wir an einer kostenfreien Stadtführung (von Sandemanns) durch die Altstadt teilgenommen. Das war wirklich sehr interessant, ich kann das nur weiterempfehlen! Es macht total Spaß, durch die engen Gassen und Märkte der Altstadt zu wandern und die Atmosphäre zu genießen. Zum Abschluss des Tages haben wir uns den Sonnenuntergang vom Ölberg aus angeschaut. Die Farben waren unglaublich. Preis für den herrlichen Ausblick: Es war arschkalt. In Tel Aviv kann man auch abends um 22 Uhr noch im T-Shirt rumrennen, in Jerusalem kühlt es sich schon um 19 Uhr auf 20 Grad runter und wenn noch Wind dazukommt, ist das echt frisch. Hier ein paar Impressionen:

Sonntag mussten wir dann halb 6 aufstehen, wir wollten nämlich auf den Tempelberg zum Felsendom! Wir hatten einige Befürchtungen, darüber dass wir nicht reinkommen können, weil wir nicht wussten, wie streng die Kleidervorschriften sein würden. Zum Glück ging alles gut. Der Felsendom ist echt unglaublich. Er ist so schön. Hunderte Geschichten ranken sich um ihn. Hier soll Mohammed in den Himmel aufgefahren sein. Den ganzen Platz hüllt eine ganz besondere Atmosphäre ein. Es ist ein ganz erhabenes, friedliches Gefühl. Ich habe mich wirklich – Achtung, es wird kitschig! – dem Himmel ein Stück näher gefühlt. Wir saßen lange da und haben den Dom betrachtet.

Den Tag darauf sind wir nach Bethlehem gefahren. Für alle Blitzmerker: Das ist der Ort, an dem Jesus geboren wurde :). Tatsächlich enttäuschte mich Bethlehem zuerst total. Die Stadt ist sehr heruntergekommen und überall liegt Müll. Als Tourist wird man von den Einheimischen gemustert oder angequatscht, ob man nicht irgendwas kaufen will. Die Geburtskirche ist total von Touristen überlaufen. An die Geburtsgrotte, in der Jesus auf die Welt kam, sind wir gar nicht rangekommen. Erst die israelisch-palästinische Mauer hat mich beeindruckt. Die ganze Mauer ist von Graffitis geschmückt – unter anderem stammen sie sogar vom berühmten Streetart-Künstler Banksy!

Den Dienstag haben wir die Erlöserkirche und den Garten Gethsemane besichtigt. Die Aussicht vom Turm der Kirche über die Altstadt ist echt der Hammer! Ich bin zufälligerweise umsonst hochgekommen, ansonsten muss man einige Schekel dafür hinlegen, aber die lohnen sich auf jeden Fall. Für große Leute könnte die Wendeltreppe zum Turm jedoch sehr eng werden. In den Garten Gethsemane ging Jesus in der Nacht, bevor er verhaftet wurde. Er sprach mit Gott und bat ihn, um ein anderes Schicksal. Die Basilica neben dem Garten errinnert daran: Die Wände und Decke sind dunkelblau und mit Sternen übersäht, um der Nacht zu gedenken. Zum Abschluss unseres Trips haben wir uns noch die Aussicht über Jerusalem von Österreichischen Hospitz aus angeschaut.

Die Tage waren echt schön. Ich habe es total genossen, Jerusalem zu entdecken.

Nach Jerusalem, in deine Stadt, werden wir voller Freude zurückkehren.

jüdisches Gebet

Bis bald, lehitraot!

IsREAL now?

Heute bin ich schon seit einem Monat und 5 Tagen hier. Dieser Beitrag soll darüber sein, was mir in den letzten Wochen so an Israel und den Menschen hier aufgefallen ist.

Zu aller erst: Israel ist wunderschön! Ich liebe Tel Aviv und es wunderbar, so nah am Meer zu leben. Da die Temperaturen ja immer noch durchgehend bei 30°C liegen, kann man auch jetzt noch entspannt baden gehen. Die Badekultur in Tel Aviv unterscheidet sich jedoch deutlich von der Ostsee: Statt Strandkorb und kleinen Kindern sieht man hier muskulöse Männer, die am Strand trainieren. Noch nie habe ich so viele Poser und gutaussehende Menschen auf einem Haufen gesehen. Hier gilt das Motto: Sehen und gesehen werden. Ob man das jetzt gut findet oder nicht, bleibt jedem selbst überlassen ;).

Während des letzten Monats hatten wir verschiedene Teachings: das Orientierugsseminar, den Sprachkurs und dann letzte Woche das Nursery Training. Alle hatten eins gemeinsam: Wir haben uns währenddessen den Arsch abgefroren! Die Israelis haben wirklich ein gestörtes Wärme-Kälte-Empfinden. Geht man aus dem Haus schwitzt man, steigt man in den Bus, empfängt einen der Nordpol. Ich habe jeden Tag eine lange Bluse mit, um nicht zu erfrieren. Während des Orientierungsseminars saßen wir sogar im Wollpulli da! Der einzige Kommentar unserer Betreuer war nur: Ist doch gar nicht so kalt! Keine Ahnung, ob es daran liegt, dass hier 6 Monate im Jahr so warme Temperaturen herrschen, auf jeden Fall hat die Klimaanlagen-Kultur der Israelis für die ein oder andere Erkältung unter uns Freiwilligen gesorgt…

Soldaten an der Bushaltestelle im Zentrum von Tel Aviv

Eine weitere Auffälligkeit ist die Präsenz des Militärs im Alltag. Für alle, die es noch nicht wissen: In Israel herrscht eine Wehrpflicht. Frauen müssen 2 Jahre ableisten, Männer 3 Jahre. Alle Jugendlichen in unserem Alter dienen also dem Militär. Das sorgt dafür, dass man auf der Straße oft Soldaten sieht und nicht selten tragen sie auch Waffen. Wenn ich einen Soldaten mit Maschinengewehr sehe, finde ich das erstaunlicherweise gar nicht mehr so schlimm. Ich empfinde es sogar überraschenderweise als sicher. Unwohl wird mir nur, wenn ich Zivilisten mit riesigen Gewehren durch die Einkaufsmeile laufen sehe. Ich fand es auch leicht beunruhigend, als der Gewehrlauf eines Soldaten während meiner Busfahrt in die Stadt die ganze Zeit direkt auf mich gezeigt hat. Aber das gehört hier einfach dazu, daran muss man sich gewöhnen. Man kommt übrigens auch in keine Shopping-Mall oder in keinen Bahnhof rein, ohne sich erstmal einer Taschenkontrolle unterziehen zu müssen! Ich habe mich letztens mit einem Israeli unterhalten, der meinte, dass es, wenn es diese Militärpräsenz nicht gebe, Israel nicht mal halb so sicher wäre. Das regt einen dann doch zum Nachdenken an.

Insgesamt gesehen sind die Israelis aber trotzdem total offene und herzliche Menschen. Nirgendwo in Deutschland sind mir so freundliche, hilfsbereite und aufgeschlossene Leute begegnet. Total leicht kommt man mit ihnen ins Gespräch. Auf unserer Fahrt nach Haifa haben wir uns ganz spontan eine Stunde lang mit einem Soldaten unterhalten. Auf der Straße helfen einem die Menschen ganz selbstverständlich und nehmen Umwege in Kauf, bloß um einem behilflich zu sein. Unseren ganzen ersten Einkauf über hat uns eine Omi begleitet, die uns geholfen hat, die Supermarkt-Angebote zu übersetzen. Als wir versucht haben, unsere Buskarte zu bekommen und gescheitert sind, hat eine Frau von sich aus extra nochmal nachgefragt und uns im Nachhinein gesagt, warum es nicht geklappt hat. Allerdings gibt es auch genauso viele unglaublich unfreundliche Leute. Es gibt wirklich kein Dazwischen. Entweder wirst du mit offenen Armen empfangen oder angeschrien.

Eine weitere Eigenart der Israelis: alte Möbel werden einfach auf die Straße gestellt und von anderen Leuten mitgenommen. Wir vermuten auch, dass unsere Sofas von der Straße sind. Ich weiß auch nicht, ob ich das Ganze ecklig oder cool finden soll :D.

Und last but not least: Israel ist so unglaublich teuer! Eine Packung Käse kostet 4 Euro. Joghurt kostet 4 Euro. Der billigste Wein kostet 4-5 Euro. Bier liegt bei mindestens 1,50€ pro Flasche im Supermarkt. Bei den Restaurants muss ich gar nicht erst anfangen. Wir haben schon oft Israelis gefragt, wo man die billigsten Lebensmittel kaufen kann und nicht selten mussten wir uns die Antwort anhören: ,,Everything in Israel is expensive!“. Sad but true… Vor allem für meinen Geldbeutel traurig.

Die Isralis können manchmal echt verrückt sein, aber mir gefällt es hier immer besser. Besonders die freundliche und offene Art lerne ich immer mehr zu schätzen!

Bis dahin, Lehitraot!

Jaffa

Schon lange bevor Tel Aviv existierte, dominierte Jaffa als bedeutende Hafenstadt den Osten Israels. An seinem Hafen legten wichtige Schiffe an, die Einwanderer, Rohstoffe und Pilger ins Land brachten. So wuchs die Stadt im 19. Jh. schnell an. So trafen sich 1906 60 jüdische Familien in Jaffa, um eine komplett neue jüdische Stadt zu planen. Sie kauften 12 Hektar kahler Sanddünen im Norden Jaffas, teilten sie in 60 Teile und veranstalteten eine Lotterie (mit Muscheln) um das Land. 1909 entstanden erste Wohnhäuser auf dem Boden der neuen Stadt. So gründete sich Tel Aviv aus Jaffa.

Heute ist Tel Aviv um einiges größer und bedeutender als die ehemalige Hafenstadt. Dennoch begaben wir uns gestern auf den Flohmarkt nach Jaffa und waren von ihrem Charme erstaunt:

Mir hat am meisten ein Teppichladen gefallen. Der ganze Laden war vollgestopft mit Teppichen. Beim Aussuchen unseres ,,shatiach“ (=Teppich), musste ich mich auf eine Klettertour in die Tiefen des Ladens begeben.

Unser kleiner Ausflug endete mit einem wunderschönen Panoramablick über die Küstenlinie Tel Avivs.

Bevor ich den Beitrag hier abschließe, noch eine kleine Anekdote vom Nachmittag davor: Unser Briefkasten ließ sich nicht mit dem Schlüssel aus unserer Wohnung öffnen. Allerdins erwartete ich Post. Ich also den Handwerker angeschrieben, dass er nicht funktioniert. Der Handwerker antwortet typischerweise nicht. Ich schreibe ihm nochmal. Bevor wir uns dann nach Jaffa losmachen wollen, öffnet sich plötzlich unsere Wohnungstür und -siehe da- ohne Vorwarnung steht der ,,handyman“ in unserer Wohnung. Er hat allerdings auch keinen Ersatz für unseren Schlüssel. Und wie löst er das Problem?? Er bricht einfach das Schloss unseres Briefkastens heraus. Mir fehlen immer noch die Worte … 😀

und somit bis bald, lehitraot!

PS: Wir haben das besagte Bus-und Bahnticket aus dem letzten Beitrag noch bekommen! Seitdem fahren wir nur noch Bus hihi..

Wirklich angekommen?

Vor über einer Woche sind wir nun in unser Apartment eingezogen. Jeden Tag strömen so viele Eindrücke auf mich ein, dass ich das Gefühl hab, gar nicht alles festhalten zu können. Ich fange mal vorne an:

Letzte Woche Dienstag hat unser Sprachkurs angefangen. Der Unterricht macht mir echt Spaß. Die Sprache ist ganz anders als jede europäische Sprache, was das Ganze sehr interessant macht. Wir machen alle schnell Fortschritte und ich bin dadurch sehr motiviert. Außerdem habe ich das Gefühl durch die Sprache, die Kultur näher kennen zu lernen. Es gibt beispielsweise keine Unterschiede zwischen formaler und informaler Rede (die Israelis sind bekannt dafür, schnell persönlich zu werden und Privates und Arbeit zu vermischen), dafür aber zwei Formen jeweils für männliche und weibliche Sprecher. So viel zu Gendern in Israel.

Nach den Kursen haben wir immer in der Mensa mitgegessen (because delicious food for free). Für die Nachmittage hatten wir uns unterschiedliche Dinge vorgenommen, die dann jedoch nur semi-erfolgreich verliefen. Wir rennen zum Beispiel seit Tagen einem ganz bestimmten Bus- und Bahnticket hinterher. Da wir bis jetzt jede Busstrecke bezahlen müssen, laufen wir ihr wortwörtlich nach und pumpen dadurch unseren Schrittzähler nach oben. Auch unsere Fahrt nach Rishon LeZion, um mein Fahrrad abzuholen, haben wir auf halber Strecke abgebrochen. Es funktioniert halt nicht alles auf Anhieb.

Dafür haben wir einen Staubsauger gekauft! Mit nur 150 ILS (ca 37€) war er ein echtes Schnäppchen. Er ist typisch israelisch: winzig klein, das Kabel ist gefühlt zwei Meter lang und macht Lärm für 3 Staubsauger. Wir haben ihn trotzdem lieb!

Da eine Mitbewohnerin am Donnerstag Geburtstag hatte, haben wir unser erstes Wochenende gleich mit einer Party eingeläutet. Den Tag darauf sind wir Amelie, eine Freundin vom Vorbereitungsseminar, in einem Dorf in der Nähe von Tel Aviv besuchen gefahren. Der Strand bei ihr in der Nähe war traumhaft! Leider hat er mir den schlimmsten Sonnenbrand meines Lebens verpasst.

Im Moment fühlt sich die Zeit hier wie ein Urlaub an. Ein aufregender Urlaub mit Leuten, die man zwar vorher noch nicht kannte, die einem jedoch schnell sehr nahe stehen. Ich frage mich, wann und wie ich mich hier wie Zuhause fühlen kann.

Bis dahin, lehitraot!

Der Start

Shalom!

In den Tagen bevor die Arbeit anfing, haben wir unseren ersten Shabbat hier in Israel erlebt. Shabbat, der wöchentliche Ruhetag des Judentums, geht von Freitag- bis Samstagabend. In der Zeit sind (fast) alle Geschäfte geschlossen und die Busse fahren nicht mehr. Insgesamt wurde es auf den Straßen deutlich ruhiger. Fast hätten wir vergessen einkaufen zu gehen, bevor alles zu hat (upsi). Wir waren zuerst unsicher, wie wir uns kleiden sollten, haben dann jedoch schnell bemerkt, dass Tel Aviv in der Hinsicht sehr liberal ist. Als uns die Einheimischen in Mini-Kleid mit Spaghettiträgern entgegen kamen, fielen auch die letzten Sorgen.

Ansonsten lagen wir am Strand und haben die Stadt erkundet. Außerdem hatten wir Besuch von zwei Freunden, Amelie und Anton. Hier ein paar Eindrücke:

Am Sonntag hatten wir dann unseren ersten Arbeitstag!

Wir hatten wirklich gar keine Ahnung, was auf uns zukommen würde, ob wir anfangen würden zu arbeiten, eingewiesen oder rumgeführt werden. Und was gabs? Frühstück! Die haben einfach ein großes Frühstück für uns vorbereitet! Total cool! Anschließend haben wir was übers Ichilov Hospital an sich erfahren und wurden den Oberschwestern vorgestellt. Danach wurde mit Sekt (!!) angestoßen und ein Gruppenfoto gemacht. Aber das Beste kommt erst noch: die nächsten drei Wochen bekommen wir einen Hebräisch-Sprachkurs. Darauf folgt dann noch eine Woche ,,nursery teaching“, bevor Anfang Oktober die richtige Arbeit beginnt.

Wir wurden wirklich so herzlich und freundlich empfangen! Niemand von uns hat mit so einer Begrüßung gerechnet. Ich fühle mich echt gut aufgehoben im Krankenhaus. Als Livia, eine Freiwillige, heute krank geworden ist, hat Shlomit, unsere Betreuerin, auch gleich dafür gesorgt, dass sie in der Notaufnahme schneller aufgerufen wird. Ich freue mich, auf den Sprachkurs morgen! 😀

Bis dahin, lehitraot (=Auf Wiedersehen)!

Ankommen

Endlich ging die Reise los. Endlich hatte das Warten ein Ende. Vor zwei Tagen, am 27. August 2019, habe ich den Flug nach Israel genommen.

Ich bin mit einigen anderen Freiwilligen, die ich beim Vorbereitungsseminar in Teterow kennen gelernt habe, losgeflogen. Auf dem Flughafen in Tel Aviv trafen wir dann noch einige andere Freiwillige von anderen Organisationen, sodass wir uns dann in einer Gruppe von ca. 12 Leuten auf den Weg nach Haifa zum Orientierungsseminar gemacht haben. Dank der W-Lan-Hotspots am Flughafen und der ganzen Bus-und Bahnhaltstellen (hier kann sich Deutschland noch eine Scheibe abschneiden) und der schlauen App ,,Moovit“ kamen wir sicher am Ziel an. Nachdem ich allerdings die Nacht kaum geschlafen hatte, bin ich am Abend einfach nur ins Bett gefallen und kann, außer dass das Essen sehr sehr lecker (!!) war, nichts mehr erzählen.

Der Mittwoch war spannender. Vormittags hatten wir verschiedene Seminare, um uns gegenseitig kennenzulernen, über das WG-Leben, zu Organisatorischem etc. Unter anderem wurden wir in die WGs eingeteilt. Die Info, dass wir eine reine Mädchen-WG sind, hat im ersten Moment eine kleine Schockstarre bei mir ausgelöst. Die hab ich aber mittlerweile überwunden und bin postitv gestimmt!! Am Nachmittag haben wir uns die ,,Rav Kav“ geholt. Das ist wie eine Prepaid-Karte zum Bus-und Bahnfahren. Und dann haben wir es endlich geschafft, an den Strand, den Carmel Beach, zu gehen! Das Wasser war warm, hinter einem lag die hell erleuchtete Stadt und über einem funkelten vereinzelte Sterne, es war toll. Also das Leben eines Freiwilligen könnte schlimmer sein – und dann hat uns die Polizei aus dem Meer geholt, upsi :).

Heute sind wir in unsere WG in Tel Aviv eingezogen. Ich teile mir ein Zimmer mit Toni. Die Wohnungen in Israel unterscheiden sich deutlich von dem deutschen Standard (bedeutet sie liegen deutlich darunter). Allerdings denke ich, dass wir mit unserer Glück gehabt haben. Noch sind uns keine Kakerlaken über den Weg gelaufen, unsere Klimaanlage funktioniert und Schimmel gibt es auch noch nicht (, obwohl dieser wahrscheinlich noch kommen wird). Wir müssen ihr allerdings noch den gemütlichen und heimischen Touch verleihen, momentan wirkt sie ein wenig lieblos. Auf jeden Fall haben wir schon das Dach ausgekundschaftet, die Aussicht ist der hammer!

Tel Aviv bei Nacht

März oder der Anfang vom Ende

Shalom!

Ich habe mich echt lange davor gedrückt, diesen Blogeintrag zu schreiben. Hier fängt es nämlich an, unangenehm zu werden. Doch fangen wir bei dem Schönen an!

Anfang März hatte ich Besuch aus Deutschland! Meine Freundin Maria und ihre Eltern haben ihren Familienurlaub nach Israel verlegt. Natürlich habe ich mich super gefreut, dass sie kommen. Gut gelaunt wollte ich mich von Haifa auf den Weg zum Flughafen machen, um meine Gäste dort einzusammeln. Theoretisch wäre ich innerhalb von 1,5h dort gewesen. Doch unerwartete Hürden (ich sage nur: verpasste und ausgefallene Züge) schlugen die schöne Vortstellung, meine Freundin vom Flughafen abzuholen in den Wind. Wir trafen uns schlussendlich in Tel Aviv und gingen eine Kleinigkeit essen. Am nächsten Tag sahen wir uns zum Abendbrot wieder. Es war schön, wieder in altbekannte Gesichter zu blicken.

Leider war es uns von dort an nicht mehr erlaubt, uns zu sehen. Israel verhängte ein Einreiseverbot u.a. auch für Deutsche, sodass es mir vom Krankenhaus untersagt wurde, sie weiterhin zu treffen. Das war sehr traurig, doch die Sicherheit der Patienten im Krankenhaus ging vor… Währenddessen war auch eine meiner Mitbewohnerinnen in häuslicher Quarantäne, da sie vor einer Woche aus Deutschland zurück gekehrt war. Wir konnten die Situation zu dem Zeitpunkt noch gar nicht nachvollziehen und hielten die Reaktion der Israelis für übertrieben.

Aus diesem Grund ließen wir es uns auch nicht nehmen, den israelischen Feiertg ,,Purim“ zu feiern. Normalerweise gibt es zu Purim wie beim Karneval große Feierumzüge. Die fielen dieses Jahr leider aus, dennoch gab es einige Clubs, die Partys veranstalteten. Den Purimtag selbst hatten wir frei. Livia und ich verwöhnten uns mit einem tollen Frühstück. Danach holten wir Toni von der Arbeit ab, sammelten Harriet am Strand ein und fuhren nach Jaffa, wo wir vier uns eine schöne ,,Nargila“ teilten. Natürlich alles purim-typisch im Kostüm! Es war wirklich ein wunderschöner Tag.

Am Abend schrieb mir einer meiner Kollegen, dass ein Patient auf meiner Station positiv auf Corona getestet wurde. Mit einem sehr mulmigen Gefühl im Bauch fuhr ich am nächsten Tag auf Arbeit. Und dort wurden tatsächlich alle meine Befürchtungen bestätigt: Ich hatte ohne es zu wissen, den Blutdruck eines Corona-Patienten genommen. Das bedeutete nun: 14 Tage Einzelisolation.

Zusammen mit meinem Kumpel Kilian, der gerade aus Deutschland wiedergekommen war und deswegen auch in Quarantäne musste, buchten wir ein AirBnB. Hier sollten wir die nächsten zwei Wochen verbringen. In unseren kleinen WGs war keine Isolation durchführbar, deshalb mussten wir eine seperate Wohnung nehmen. Ich reiste mit einem riesigen Koffer voller Beschäftigungsmöglichkeiten an. Unser Leben wurde komplett auf 0% heruntergefahren. Zum Glück mussten wir das nicht alleine durchstehen. Und zum Glück hatten wir einen kleinen Garten! Unsere Mitbewohner versorgten uns mit Lebensmitteln und (sehr wichtig!) mit genügend alkoholischen Erfrischungsgetränken. Man muss sich ja bei Laune halten. Ich skypte und las viel. Außerdem hatten Kilian und ich einen exorbitanten Konsum der Bildungssendung ,,Alarm für Cobra 11″. Ich war echt überrascht, wie schnell die Zeit verging und wie schnell man sich der Situation angepasst hatte. 14 Tage hörten sich am Anfang wie eine Ewigkeit an, doch im Endeffekt gingen sie rasch um.

Als fast die Hälfte unserer Isolationzeit vorrüber war, bekamen wir die Nachricht vom Bundesministerium, dass wir zurück geholt würden. Tja, große Scheiße. Es war echt ein großer Schock und sehr traurig. Wir buchten einen Flug. Fast alle unsere Freunde waren innerhalb der nächsten fünf Tage abgeflogen. Unser Flug wurde natürlich kurzfristig vor Ende der Quarantäne gestrichen, es gab eine große Aufregung und am Ende buchten wir einen der letzten Flüge nach Amsterdam. Von dort würde Kilians Mama uns abholen. Meine Familie sammelte mich dann in Osnabrück ein.

Am Montag war meine Isolationszeit zu Ende. Unser Flug sollte am Donnerstag gehen. Die letzten Tage verbrachte ich damit, die letzte Dinge zu organiseren, einkaufen zu gehen, Sachen zu packen und meiner Station Auf Wiedersehen zu sagen. Letzteres war echt sehr traurig. Ich habe meine Kollegen sehr gemocht und mich auf der Station sehr wohl gefüht. Sie haben mich so herzlich empfangen und aufgenommen in den Familienkreis der ,,Pnimit Vav“. Ich habe dort so viel gelernt, über mich, über die Medizin und über die verschiedenen Kulturen Israels. Und auch sie waren traurig, dass ich gehen musste.

Nach einer 23-Stunden-Reise (, die 10 Stunden Warten am Flughafen, einen 5 Stunden Flug und 8 Stunden Autofahrt beinhalteten) kam ich am 26.03. wieder in Deutschland an.

Jetzt bin ich wieder hier.

Und wie geht es mir jetzt? Ich denke noch oft an Israel. Ich vermisse meine Freunde; die Leute, mit denen ich zusammengelebt und so viel Zeit verbracht habe. Ich vermisse mein Leben dort, vor allem die Freiheit und die Aktivität. Mir fehlen meine Kollegen und meine Station. So gerne würde ich wieder mit der Paula zum Fitness oder mit der Toni Kaffee trinken gehen. Hinzu kommt die Unsicherheit der Situation, wie es sich entwickelt, wie die Situation im Sommer ist und was ich dann machen werde. Ich suche nach Arbeit, doch das ist in diesen Zeiten nicht einfach. Ich stehe in der Warteschleife. Niemand weiß, wie es weiter geht und alles, was ich machen kann, ist Däumchen drehen. Mir fällt das nicht leicht. Wir hatten so viele Pläne, auf die ich mich gefreut habe, die sich nun alle mit einem Mal in Luft auflösen. Von einen Tag auf den anderen stehe ich wieder in einem anderen Leben. Ein Leben, das ich für abgeschlossen gehalten habe und mit dem ich mich nun doch wieder arrangieren muss …

Bis auf Weiteres heißt es, abwarten, durchatmen und versuchen, positiv zu denken.

Lehitraot!