Shalom!

Vor einigen Wochen habe ich mit Paula ausgemacht, dass wir beide unbedingt mal zusammen wandern gehen müssen. Gesagt, getan. Schnell haben wir noch zwei andere Freiwillige, Manu und Kathi aus Jerusalem und Haifa ins Boot geholt und auf gings!

Unser Ziel war es, die letzte Hälfte vom Jesus Trail zu laufen. Der Jesus Trail ist ein 62km langer Wanderweg von Nazareth nach Kapernaum am See Genezareth. Er folgt dem Weg, den Jesu zurückgelegt haben soll und verbindet zahlreiche Stätten seines Wirkens und Lebens. Da wir nur das Wochenende zur Verfügung hatten, begann unsere Tour cira auf der Hälfte der Strecke.

Unsere Reisegruppe-sogar noch motivierter als die Silberlocken!

Am Freitag sind Paula und ich also um sechs aufgestanden und losgefahren. Mitten in der Pampa in der Nähe des Kibbutzes Lavi trafen wir auf unsere Weggenossen. Nachdem wir nach einigem Suchen den Wanderweg gefunden hatten, wurden wir erstmal von einer Reisegruppe hochmotivierter Silberlocken aufgehalten. Für ihr Alter waren die alle noch erstaunlich fit… Das verschaffte uns aber Zeit, noch ein Gruppenbild zu machen und den Mount Arbel von oben zu betrachten. Das Hochplateau war unser Ziel für den Abend. Schon eine erstaunliche Vorstellung, dass wir den ganzen Weg dorthin zu Fuß laufen wollten.

Unser Weg führte uns dann den Berg nach unten in ein uriges Tal. Dort unten zwischen den Bäumen war es vor allem kuhlastig. Wir sind fast die ganze Zeit über Kuhweiden gelaufen. Allerdings war das nicht schlimm, man hatte immer etwas zu gucken und wenigstens gute Gesellschaft. Durch das Tal schlängelte sich auch ein Bach. Dieser entpuppte sich als weitaus verheerender als die Kühe. Der Weg sah es vor, dass man den Bach so ungefähr 1000x mal überqueren musste. Dazu gab es Trittsteine, über die man drüberbalancieren konnte. ,,Wie lustig!“, denke ich, laufe los, in der Mitte des Flusses rutsche ich aus und stehe bis zu den Knöcheln im Matsch! Meine Schuhe und Socken waren komplett eingesaut und mit einer schönen Schlammschicht bedeckt. Huchherrje, würde die Paula jetzt sagen. 😀

Mit Matschschuhen ging es dann weiter über Stock und Stein, Kuhweiden und Bäche. Das Tal war wirklich sehr idyllisch. Am Ende des Tals lag ein Dorf, in dem uns ein netter Israeli unsere Wasserflaschen auffüllte. Ingesamt entpuppte sich dieses Dorf als Goldgrube: An fast jeder Ecke standen Orangen- und Mandarinenbäume mit reifen Früchten. Und die durften wir natürlich nicht verkommen lassen und haben fleißig geplückt! Die Orangen waren so gut! Als wir mit unserer Ausbeute weiterlaufen wollen, hält plötzlich ein Auto neben uns an. Zwei Israelis strecken ihre Köpfe raus und schenken und zum Beginn des Shabbats zwei Brote! Die Freude unsererseits war natürlich groß.

Die liebe Kathi hatte den Wunsch, sich den Sonnenaufgang über dem See Genezareth anzuschauen und wollte einen Schlafplatz mit der perfekten Aussicht für uns finden. Sehr zum Leidwesen von Paula und mir, denn wir sind cira einen Kilometer nur über Feld gelaufen, bevor wir uns niederließen (zugegebermaßen war der Spot dann aber doch schon sehr schön…). Nach gediegenen 12h Schlaf und einem Sonnenaufgang ging es am Samstag weiter.

Auf dem Mount Arbel mit Ausblick über den See Genezareth gab es für uns Frühstück.

Mount Arbel

Hier oben hatte ich ein Deja-vu: An Yom Kippur war ich schon mal auf dem Mount Arbel. Es war nur ein Eintages-Ausflug gewesen, deswegen hab ich hier nicht darüber geschrieben. Wir hatten damals auf einem Campingplatz am See geschlafen. Am Morgen war das Wasser auf dem Platz ausgefallen, sodass wir alle nur mit einem halben Liter Wasser bei 30°C zu einer 10km Wanderung aufbrechen mussten. Nachdem wir uns den Berg hochgehievt hatten, schon fast am Ende mit unseren Kräften und vollkommen verschwitzt oben angekommen waren, geschah ein Wunder. Zwei arabische Männer saßen dort, boten uns Pita, arabischen Kaffee und kaltes Trinkwasser an! Es war unglaublich… Auf jeden Fall stand ich damals auf der Bergspitze und habe noch gedacht ,,Hier komme ich nie wieder her, die Aussicht muss ich mir merken.“, tja, und dann hab ich da Frühstück gegessen. Wie es manchmal kommt.

Nach dem Frühstück ging es wieder an den Abstieg. Dieser verlangte viel Konzentration und einiges an Kletterkunst. Unten angekommen, ging es weiter übers Kuh-Minenfeld. Zur Stärkung dienten uns auf dem Weg gepflückte Grapefruits. Entschlossen wanderten wir weiter, bis wir an Bananenplantagen kamen. Die passierten wir ohne weitere Probleme (von unseren langsam schmerzenden Füßen mal abgesehen) und liefen das letzte Stück des Weges am See entlang. Hier war es ausnahmesweise mal richtig grün, total schön!

Gegen fünf Uhr, die Sonne war schon fast untergegangen, kamen wir nach 40km Wandern schlussendlich in Kapernaum an. Leider hatten alle Sehenswürdigkeiten schon geschlossen. Zuerst standen wir vor der Stadt und wussten nicht weiter. Dann entdeckte Manu einen kleinen Pfad ins Gebüsch. Kurzerhand liefen wir bei schwindendem Licht durchs Dickicht. Nach einigen Metern lichtete sich der Weg und offenbarte einen wunderbaren Ausblick über den See und auf den Sonnenuntergang. Wir waren total baff! Manu und ich konnten es uns auch nicht nehmen lassen, in dieser magischen Stimmung noch baden zu gehen. Die Bilder sprechen für sich:

Der Preis für den Trip war der unglaubliche Muskelkater, der mich den ganzen nächsten Tag verfolgte. Meine Beine haben so weh getan! Aber alles in allem war unser Ausflug richtig schön. Obwohl es nur zwei Tage waren, hat es sich wie ein Mini-Urlaub angefühlt. Ich freue mich auf die kommenden Ausflüge und Wochenenden.

Bis bald, lehitraot!

PS: Bei uns in der WG kehrt langsam die Weihnachtsstimmung ein. Die ersten Weihnachtskekse wurden schon gebacken!

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