Shalom!

Ich habe mich echt lange davor gedrückt, diesen Blogeintrag zu schreiben. Hier fängt es nämlich an, unangenehm zu werden. Doch fangen wir bei dem Schönen an!

Anfang März hatte ich Besuch aus Deutschland! Meine Freundin Maria und ihre Eltern haben ihren Familienurlaub nach Israel verlegt. Natürlich habe ich mich super gefreut, dass sie kommen. Gut gelaunt wollte ich mich von Haifa auf den Weg zum Flughafen machen, um meine Gäste dort einzusammeln. Theoretisch wäre ich innerhalb von 1,5h dort gewesen. Doch unerwartete Hürden (ich sage nur: verpasste und ausgefallene Züge) schlugen die schöne Vortstellung, meine Freundin vom Flughafen abzuholen in den Wind. Wir trafen uns schlussendlich in Tel Aviv und gingen eine Kleinigkeit essen. Am nächsten Tag sahen wir uns zum Abendbrot wieder. Es war schön, wieder in altbekannte Gesichter zu blicken.

Leider war es uns von dort an nicht mehr erlaubt, uns zu sehen. Israel verhängte ein Einreiseverbot u.a. auch für Deutsche, sodass es mir vom Krankenhaus untersagt wurde, sie weiterhin zu treffen. Das war sehr traurig, doch die Sicherheit der Patienten im Krankenhaus ging vor… Währenddessen war auch eine meiner Mitbewohnerinnen in häuslicher Quarantäne, da sie vor einer Woche aus Deutschland zurück gekehrt war. Wir konnten die Situation zu dem Zeitpunkt noch gar nicht nachvollziehen und hielten die Reaktion der Israelis für übertrieben.

Aus diesem Grund ließen wir es uns auch nicht nehmen, den israelischen Feiertg ,,Purim“ zu feiern. Normalerweise gibt es zu Purim wie beim Karneval große Feierumzüge. Die fielen dieses Jahr leider aus, dennoch gab es einige Clubs, die Partys veranstalteten. Den Purimtag selbst hatten wir frei. Livia und ich verwöhnten uns mit einem tollen Frühstück. Danach holten wir Toni von der Arbeit ab, sammelten Harriet am Strand ein und fuhren nach Jaffa, wo wir vier uns eine schöne ,,Nargila“ teilten. Natürlich alles purim-typisch im Kostüm! Es war wirklich ein wunderschöner Tag.

Am Abend schrieb mir einer meiner Kollegen, dass ein Patient auf meiner Station positiv auf Corona getestet wurde. Mit einem sehr mulmigen Gefühl im Bauch fuhr ich am nächsten Tag auf Arbeit. Und dort wurden tatsächlich alle meine Befürchtungen bestätigt: Ich hatte ohne es zu wissen, den Blutdruck eines Corona-Patienten genommen. Das bedeutete nun: 14 Tage Einzelisolation.

Zusammen mit meinem Kumpel Kilian, der gerade aus Deutschland wiedergekommen war und deswegen auch in Quarantäne musste, buchten wir ein AirBnB. Hier sollten wir die nächsten zwei Wochen verbringen. In unseren kleinen WGs war keine Isolation durchführbar, deshalb mussten wir eine seperate Wohnung nehmen. Ich reiste mit einem riesigen Koffer voller Beschäftigungsmöglichkeiten an. Unser Leben wurde komplett auf 0% heruntergefahren. Zum Glück mussten wir das nicht alleine durchstehen. Und zum Glück hatten wir einen kleinen Garten! Unsere Mitbewohner versorgten uns mit Lebensmitteln und (sehr wichtig!) mit genügend alkoholischen Erfrischungsgetränken. Man muss sich ja bei Laune halten. Ich skypte und las viel. Außerdem hatten Kilian und ich einen exorbitanten Konsum der Bildungssendung ,,Alarm für Cobra 11″. Ich war echt überrascht, wie schnell die Zeit verging und wie schnell man sich der Situation angepasst hatte. 14 Tage hörten sich am Anfang wie eine Ewigkeit an, doch im Endeffekt gingen sie rasch um.

Als fast die Hälfte unserer Isolationzeit vorrüber war, bekamen wir die Nachricht vom Bundesministerium, dass wir zurück geholt würden. Tja, große Scheiße. Es war echt ein großer Schock und sehr traurig. Wir buchten einen Flug. Fast alle unsere Freunde waren innerhalb der nächsten fünf Tage abgeflogen. Unser Flug wurde natürlich kurzfristig vor Ende der Quarantäne gestrichen, es gab eine große Aufregung und am Ende buchten wir einen der letzten Flüge nach Amsterdam. Von dort würde Kilians Mama uns abholen. Meine Familie sammelte mich dann in Osnabrück ein.

Am Montag war meine Isolationszeit zu Ende. Unser Flug sollte am Donnerstag gehen. Die letzten Tage verbrachte ich damit, die letzte Dinge zu organiseren, einkaufen zu gehen, Sachen zu packen und meiner Station Auf Wiedersehen zu sagen. Letzteres war echt sehr traurig. Ich habe meine Kollegen sehr gemocht und mich auf der Station sehr wohl gefüht. Sie haben mich so herzlich empfangen und aufgenommen in den Familienkreis der ,,Pnimit Vav“. Ich habe dort so viel gelernt, über mich, über die Medizin und über die verschiedenen Kulturen Israels. Und auch sie waren traurig, dass ich gehen musste.

Nach einer 23-Stunden-Reise (, die 10 Stunden Warten am Flughafen, einen 5 Stunden Flug und 8 Stunden Autofahrt beinhalteten) kam ich am 26.03. wieder in Deutschland an.

Jetzt bin ich wieder hier.

Und wie geht es mir jetzt? Ich denke noch oft an Israel. Ich vermisse meine Freunde; die Leute, mit denen ich zusammengelebt und so viel Zeit verbracht habe. Ich vermisse mein Leben dort, vor allem die Freiheit und die Aktivität. Mir fehlen meine Kollegen und meine Station. So gerne würde ich wieder mit der Paula zum Fitness oder mit der Toni Kaffee trinken gehen. Hinzu kommt die Unsicherheit der Situation, wie es sich entwickelt, wie die Situation im Sommer ist und was ich dann machen werde. Ich suche nach Arbeit, doch das ist in diesen Zeiten nicht einfach. Ich stehe in der Warteschleife. Niemand weiß, wie es weiter geht und alles, was ich machen kann, ist Däumchen drehen. Mir fällt das nicht leicht. Wir hatten so viele Pläne, auf die ich mich gefreut habe, die sich nun alle mit einem Mal in Luft auflösen. Von einen Tag auf den anderen stehe ich wieder in einem anderen Leben. Ein Leben, das ich für abgeschlossen gehalten habe und mit dem ich mich nun doch wieder arrangieren muss …

Bis auf Weiteres heißt es, abwarten, durchatmen und versuchen, positiv zu denken.

Lehitraot!

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