März oder der Anfang vom Ende

Shalom!

Ich habe mich echt lange davor gedrückt, diesen Blogeintrag zu schreiben. Hier fängt es nämlich an, unangenehm zu werden. Doch fangen wir bei dem Schönen an!

Anfang März hatte ich Besuch aus Deutschland! Meine Freundin Maria und ihre Eltern haben ihren Familienurlaub nach Israel verlegt. Natürlich habe ich mich super gefreut, dass sie kommen. Gut gelaunt wollte ich mich von Haifa auf den Weg zum Flughafen machen, um meine Gäste dort einzusammeln. Theoretisch wäre ich innerhalb von 1,5h dort gewesen. Doch unerwartete Hürden (ich sage nur: verpasste und ausgefallene Züge) schlugen die schöne Vortstellung, meine Freundin vom Flughafen abzuholen in den Wind. Wir trafen uns schlussendlich in Tel Aviv und gingen eine Kleinigkeit essen. Am nächsten Tag sahen wir uns zum Abendbrot wieder. Es war schön, wieder in altbekannte Gesichter zu blicken.

Leider war es uns von dort an nicht mehr erlaubt, uns zu sehen. Israel verhängte ein Einreiseverbot u.a. auch für Deutsche, sodass es mir vom Krankenhaus untersagt wurde, sie weiterhin zu treffen. Das war sehr traurig, doch die Sicherheit der Patienten im Krankenhaus ging vor… Währenddessen war auch eine meiner Mitbewohnerinnen in häuslicher Quarantäne, da sie vor einer Woche aus Deutschland zurück gekehrt war. Wir konnten die Situation zu dem Zeitpunkt noch gar nicht nachvollziehen und hielten die Reaktion der Israelis für übertrieben.

Aus diesem Grund ließen wir es uns auch nicht nehmen, den israelischen Feiertg ,,Purim“ zu feiern. Normalerweise gibt es zu Purim wie beim Karneval große Feierumzüge. Die fielen dieses Jahr leider aus, dennoch gab es einige Clubs, die Partys veranstalteten. Den Purimtag selbst hatten wir frei. Livia und ich verwöhnten uns mit einem tollen Frühstück. Danach holten wir Toni von der Arbeit ab, sammelten Harriet am Strand ein und fuhren nach Jaffa, wo wir vier uns eine schöne ,,Nargila“ teilten. Natürlich alles purim-typisch im Kostüm! Es war wirklich ein wunderschöner Tag.

Am Abend schrieb mir einer meiner Kollegen, dass ein Patient auf meiner Station positiv auf Corona getestet wurde. Mit einem sehr mulmigen Gefühl im Bauch fuhr ich am nächsten Tag auf Arbeit. Und dort wurden tatsächlich alle meine Befürchtungen bestätigt: Ich hatte ohne es zu wissen, den Blutdruck eines Corona-Patienten genommen. Das bedeutete nun: 14 Tage Einzelisolation.

Zusammen mit meinem Kumpel Kilian, der gerade aus Deutschland wiedergekommen war und deswegen auch in Quarantäne musste, buchten wir ein AirBnB. Hier sollten wir die nächsten zwei Wochen verbringen. In unseren kleinen WGs war keine Isolation durchführbar, deshalb mussten wir eine seperate Wohnung nehmen. Ich reiste mit einem riesigen Koffer voller Beschäftigungsmöglichkeiten an. Unser Leben wurde komplett auf 0% heruntergefahren. Zum Glück mussten wir das nicht alleine durchstehen. Und zum Glück hatten wir einen kleinen Garten! Unsere Mitbewohner versorgten uns mit Lebensmitteln und (sehr wichtig!) mit genügend alkoholischen Erfrischungsgetränken. Man muss sich ja bei Laune halten. Ich skypte und las viel. Außerdem hatten Kilian und ich einen exorbitanten Konsum der Bildungssendung ,,Alarm für Cobra 11″. Ich war echt überrascht, wie schnell die Zeit verging und wie schnell man sich der Situation angepasst hatte. 14 Tage hörten sich am Anfang wie eine Ewigkeit an, doch im Endeffekt gingen sie rasch um.

Als fast die Hälfte unserer Isolationzeit vorrüber war, bekamen wir die Nachricht vom Bundesministerium, dass wir zurück geholt würden. Tja, große Scheiße. Es war echt ein großer Schock und sehr traurig. Wir buchten einen Flug. Fast alle unsere Freunde waren innerhalb der nächsten fünf Tage abgeflogen. Unser Flug wurde natürlich kurzfristig vor Ende der Quarantäne gestrichen, es gab eine große Aufregung und am Ende buchten wir einen der letzten Flüge nach Amsterdam. Von dort würde Kilians Mama uns abholen. Meine Familie sammelte mich dann in Osnabrück ein.

Am Montag war meine Isolationszeit zu Ende. Unser Flug sollte am Donnerstag gehen. Die letzten Tage verbrachte ich damit, die letzte Dinge zu organiseren, einkaufen zu gehen, Sachen zu packen und meiner Station Auf Wiedersehen zu sagen. Letzteres war echt sehr traurig. Ich habe meine Kollegen sehr gemocht und mich auf der Station sehr wohl gefüht. Sie haben mich so herzlich empfangen und aufgenommen in den Familienkreis der ,,Pnimit Vav“. Ich habe dort so viel gelernt, über mich, über die Medizin und über die verschiedenen Kulturen Israels. Und auch sie waren traurig, dass ich gehen musste.

Nach einer 23-Stunden-Reise (, die 10 Stunden Warten am Flughafen, einen 5 Stunden Flug und 8 Stunden Autofahrt beinhalteten) kam ich am 26.03. wieder in Deutschland an.

Jetzt bin ich wieder hier.

Und wie geht es mir jetzt? Ich denke noch oft an Israel. Ich vermisse meine Freunde; die Leute, mit denen ich zusammengelebt und so viel Zeit verbracht habe. Ich vermisse mein Leben dort, vor allem die Freiheit und die Aktivität. Mir fehlen meine Kollegen und meine Station. So gerne würde ich wieder mit der Paula zum Fitness oder mit der Toni Kaffee trinken gehen. Hinzu kommt die Unsicherheit der Situation, wie es sich entwickelt, wie die Situation im Sommer ist und was ich dann machen werde. Ich suche nach Arbeit, doch das ist in diesen Zeiten nicht einfach. Ich stehe in der Warteschleife. Niemand weiß, wie es weiter geht und alles, was ich machen kann, ist Däumchen drehen. Mir fällt das nicht leicht. Wir hatten so viele Pläne, auf die ich mich gefreut habe, die sich nun alle mit einem Mal in Luft auflösen. Von einen Tag auf den anderen stehe ich wieder in einem anderen Leben. Ein Leben, das ich für abgeschlossen gehalten habe und mit dem ich mich nun doch wieder arrangieren muss …

Bis auf Weiteres heißt es, abwarten, durchatmen und versuchen, positiv zu denken.

Lehitraot!

Back to the Wüste!

Shalom!

Aufgrund der Corona-Krisensituation musste ich wieder nach Deutschland zurückkehren. In einem späteren Eintrag mehr dazu. Auf jeden Fall habe ich jetzt viel Zeit hier und dachte mir, ich könnte meinen Blog noch vervollständigen, schließlich fehlt der komplette März.

Am 27.02.2020 war unser Halbjähriges in Israel. Zufälligerweise war das auch genau der Tag, an dem es für uns wieder zu einem neuen Ausflug ging. Wir wollten wieder in die Wüste, diesmal zum Krater Mizpe Ramon. Die gleichnamige Stadt liegt direkt am Rand des Kraters. Ursprünglich war sie nur eine Zwischenstation für Reisende auf dem Weg durch die Wüste. Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts wuchs sie zu einer Stadt heran. Trotzdem liegt die Einwohnerzahl auch heutzutage nur bei knappen 5000 Einwohnern.

Auf jeden Fall fuhren Paula und ich am Donnerstag mit dem Bus vor. Johann, Leo und Felix aus Haifa wollten am Freitag nachkommen (die Faulenzer). Natürlich verpassten wir unseren Anschlussbus in Ber Sheva. Trotzdem kamen wir am Abend in Mizpe an und fanden nach einigem Rumlaufen und Rumfragen auch eine wunderschöne und gemütliche Unterkunft. Den Abend ließen wir mir netten Gesprächen und vielen Tassen Tee ausklingen.

Nach einer eiskalten Nacht liefen Paula und ich zum Krater. In nur 15 Minuten waren wir einmal durch die gesamte Stadt gelaufen. Der Ausblick über den Krater war gigantisch. Wir ließen und nieder und genossen unser Frühstück in der Sonne am Rande des Kraters.

Gegen Mittag trafen die Jungs ein. Wir holten sie vom Hostel ab und zeigten ihnen danach nochmal den Krater. Zufälligerweise trafen wir Amelie mit ihrer Familie dort!

Dann mussten wir uns leider beeilen, denn wir wollten uns den Sonnenuntergang vom Kamelfelsen aus anschauen.

Unser Hostel veranstaltete an diesem Abend ein Shishi-Dinner. Also ein gemeinsames Abendbrot mit Gebet und Gesang, um den Beginn des Shabbats zu feiern. Das ließen wir uns natürlich nicht entgehen!

Die Jungs wollten sich am nächsten Morgen den Sonnenaufgang anschauen. Da Paula und ich jedoch nicht freiwillig 5:30 Uhr (!!!) aufstehen wollten, verzichteten wir auf den Sonnenaufgang. Natürlich wurden wir auf sanfte Art und Weise *hust hust* geweckt, als unsere männlichen Gefährten zurück kamen…

Am nächsten Tag wollten wir eine kleine Wanderung durch den Krater machen. Schnell entschieden wir uns für eine Route, packten das Nötigste ein und stiefelten los! Die Strecke war wunderschön. Überall blühten die Blumen, die Landschaft war vielseitig und beeindruckend. Und mit Leo und Johann hat man auch immer viel Spaß (auch wenn die Späße oft auf meine Kosten sind, die Blödmänner)! Am Ende unseres Wegs lag ein See, in den die Jungs natürlich rein wollten. Es soll sehr kalt gewesen sein…

Zwei Tomaten im Bus

Eigentlich wollten wir zum Abschluss des Tages noch auf die Alpaka-Farm, aber die haben wir dann doch sausen lassen. Stattdessen gönnten wir uns ein großes Eis! Währenddessen wurde natürlich wieder viel gequatscht und gelacht. Und neben Bauchmuskelkater vom Lachen nahmen wir auch alle einen schönen Sonnenbrand mit zurück nach Hause.

Tja, das war unser Kurztrip nach Mizpe Ramon, ein Städtchen, das echt einen Besuch wert ist!

Bis bald, lehitraot!

Nochmal Tourist sein

Nach unserem schönen Ausflug in die Wüste war für mich Durcharbeiten angesagt. Mich haben nämlich vom 09.02. bis 16.02. mein Opa und meine Schwester besucht. Und damit ich so viel Zeit wie möglich mit ihnen verbringen konnte, habe ich zwei Tage vorgearbeitet. Das hat mich aber natürlich nicht davon abgehalten, zu einer super geilen 80er-Party unserer Nachbar-WG zu gehen!

Wie habe ich mich auf meinen Urlaub gefreut!

Am Sonntag haben mich dann mein Opa und meine Schwester von der Station abgeholt. Es war richtig schön, und meine Kollegen haben sich gefreut, meine Familie kennenzulernen.

Am nächsten Tag haben wir trotz schlechtem Wetter und Regen Tel Aviv erkundet. Insgesamt sind wir einmal durch die gesamte Stadt gelaufen, vom Carmel Markt zum Hafen. Den Tag haben wir entspannt in einem schicken Restaurant ausklingen lassen.

In Nazareth

Da das Wetter am Dienstag immer noch nicht besser war, haben wir uns entschieden nach Nazareth zu fahren. Dort schauten wir uns die Verkündungskirche an und konnten sogar einem Gottesdienst an der Verkündungsgrotte teilnehmen! Anschließend gab es noch bergeweise gutes Essen in einem kleinen schnuckeligen Restaurant namens ,,Abu Ashraf“.

Am nächsten Tag ging es für uns nach Jerusalem. Dort haben wir uns vor allem die touristischen Höhepunkte angesehen. Mein Opa war schließlich nur eine Woche in seinem Leben in Jerusalem und wollte in dieser kurzen Zeit alles Wichtige gesehen haben! So ging es für uns zur Grabeskirche, Klagemauer und zum Felsendom. Abgeschlossen haben wir den Tag auf einem Aussichtspunkt mit Blick über die Altstadt von Jerusalem.

Dann stand das Tote Meer auf dem Programm. Tja, da kann man nicht so viel sagem, außer, dass es wirklich für alle ein großer Spaß war! (Außer für Nisi, die von mir eingeschlammt wurde, hihi). Am gleichen Abend ging es für uns noch in eine Jazzbar, das perfekte Ende für den Tag!

Am Wochenende haben wir uns dann noch den Rest von Tel Aviv angeschaut. Unter anderem waren wir in Jaffa und haben den besten Hummus der Stadt probiert. Außerdem haben wir noch einen langen Spaziergang durch den Yarkonpark und dann am Strand entlang gemacht.

Freude nach dem Friseur

Und dann war die Woche auch schon zu Ende! Der Tag, an dem die beiden wieder geflogen sind, gehörte mit zu meinen schlimmsten Tagen in ganz Israel. Zuerst habe ich Opa und Nisi zum Flughafen gebracht, dann wurden mir die Haare total verschnitten (ich sag nur: Vokuhila-Style), dann habe ich auch noch Migräne bekommen und lag an meinem Urlaubstag die ganze Zeit nur im Bett! Aber meine lieben Mitbewohnerinnen haben mir Pizza bestellt und nach einer ordentlichen Mütze Schlaf sah die Welt auch nicht mehr so schwarz aus. Ich habe mich am Ende meines Urlaubs echt wieder darauf gefreut, arbeiten zu gehen.

Die Woche war echt sehr schön, nur meine Oma, die leider Zuhause bleiben musste, hat gefehlt.

Jetzt komme ich wieder langsam in den Arbeitsalltag rein. In zwei Tagen bin ich einfach schon genau sechs Monate in Israel!

Bis bald, lehitraot!

Glückliche Zufälle im Nirgendwo

Als ich noch in Deutschland war, habe ich für ein halbes Jahr Krav Maga, einen israelischen Kampfsport, ausprobiert. In meiner allerletzten Unterrichtsstunde kam ich mit einem Mädchen ins Quatschen. Nach dem Training haben wir uns noch für eine Stunde unterhalten und Lebensgeschichten ausgetauscht. Ihr Freund war auch für ein Jahr in Israel gewesen. Begeistert berichtete sie mir von einem „Timna Nationalpark“ und davon, wie sie dort Sterne fotografiert hätten. Ich war von ihren Beschreibungen total begeistert und setzte mir als Ziel: Ich will dahin!

Letztes Wochenende war es soweit. Mit Toni wollte ich endlich meinen Traum umsetzen. Hinter mir lag eine aufregende Woche: An einem Tag hatten wir ein Seminar über die Geschichte der Israelis und Palästinenser. Freiwillige aller Städte und Einsatzstellen Israels kamen zusammen. Gemeinsam fuhren wir nach Barta’a, einem Dorf, dass 1949 geteilt wurde. An einem anderen Tag stach Toni mir ein zweites Ohrloch!

Freitagmorgen um 7 Uhr fuhren wir dann los, in Richtung Wüste. Aber, aller Anfang ist schwer: Ich vergaß mein Frühstück, musste nochmal zurück und bin den Weg zum Bus mit meinem schweren Rucksack auf dem Rücken gerannt. Zum Glück haben wir ihn noch bekommen. Trotzdem verpassten wir in Ber Sheva aufgrund der ‚Verlässlichkeit‘ des israelischen Bus- und Bahnsystems den Anschlussbus. Aber wir hatten wieder Glück. Nur 40 Minuten später kam ein Alternativbus.

See am Campingplatz

Gegen 13 Uhr kamen wir an unserer Haltestelle an. Mitten im Nichts stiegen wir aus und latschten eine weitere halbe Stunde bis zum Nationalpark. Dort angekommen wurde uns verkündet, dass es bis zu unserem Schlafplatz noch 10 km Laufweg wären. Wir waren schon am Überlegen, Fahrräder zu mieten, als einer Mitarbeiterin einfiel: „Ach, ich fahre ja in einer halben Stunde eh dahin, ich kann euch doch mitnehmen!“ Das Angebot haben wir natürlich nicht ausgeschlagen.

Unser Zelt haben wir schlussendlich neben einem künstlich angelegten See aufgeschlagen. Wir wollten aber die letzten hellen Stunden noch nutzen und machten uns gleich auf zu den Solomons Pillars. Die Gesteinsformationen waren echt unglaublich. Wir sind rumgeklettert und haben uns unseres Lebens erfreut.

Das Abendessen barg jedoch eine böse Überraschung: Toni hatte den Hummus vergessen, sodass wir nur Mais und Gurke zum Füllen unserer Pitas hatten. Mhh, lecker…! Doch wieder war uns jemand wohl gesonnen: Spontan wurden wir zum Shabbat-Dinner eines Kibbutzes eingeladen und konnten uns die Bäuche mit gutem Essen voll geschlagen. Nach dieser unverhofften Überraschung liefen wir noch einmal ein Stück hinaus in die Wüste. Wir wollten uns die Sterne anschauen. Irgendwann standen wir da und suchten den Himmel nach Sternenbildern ab. Es war ein wirklich magischer Moment…

Nach einer kalten Nacht ging es für uns richtig los. Wir packten unser Gepäck und stiefelten schnurstracks los. Eigentlich wird es empfohlen, den Park mit einem Auto oder Rad zu erkunden, da er so weitläufig ist. Doch Toni hatte sich gewünscht, dass wir wandern. Zum Glück fanden wir freundliche Urlauber, die unser Gepäck mit zum Eingang nahmen. Den ganzen Tag über liefen wir durch die weitläufige Landschaft und erkundeten die verschiedensten Gesteinsformen und Canyons.

,,The Mushroom“

Ich kann nicht mehr dazu sagen, außer, dass es unglaublich schön und beeindruckend war. Ich habe so etwas noch nie in meinem Leben gesehen. Die Bilder sprechen an dieser Stelle für sich…

Erschöpft, aber glücklich kamen wir letzten Endes wieder am Eingang des Nationalparks an. Wir waren so ausgelaugt, dass wir uns sogar auf die vor uns liegenden fünf Stunden Busfahrt freuten. Ein letztes Hindernis gab es allerdings noch: Die Busfahrt war 30 Shekel teurer als erwartet, dafür reichte unser Bargeld nicht aus. Allerdings hatten wir wieder einmal Glück. Einer der Passagiere bezahlte die insgesamt fehlenden 40 Shekel (10€!) für uns und wollte sie nicht mal zurück haben! Das hat uns zum einen den Arsch gerettet, zum anderen finde ich ein solches Verhalten wirklich inspirierend. Es stellt einen vor die Frage, wie man in einem solchen Moment handeln würde und hält einen dazu an, es unserem „Retter in der Not“ gleich zu tun.

Das war unser wunderschönes Wochenende! Dieses Wochenende arbeite ich durch, da nächste Woche mein Opa und meine Schwester kommen. Ich freue mich schon riesig auf sie!

Bis bald, lehitraot! 

Achtung, Steinböcke!

Von Regen, Sauna und Januar

Shalom!

Da ich in den letzten Wochen nicht gerade fleißig war, hier eine kurze Zusammenfassung des Januars:

,,Nein, in Israel regnet es nie“

Der Januar ist einer der kältesten Monate in Israel. In Tel Aviv herrschen tagsüber meist so 14°C-16°C. In Jerusalem kühlt es aber auch mal ganz leicht auf 8°C runter. Außerdem regnet es häufig. Und Regen in Israel ähnelt einem überfallartigem Sturzfall, der einen immer im ungünstigsten Moment überwältigt! Das Wetter ist natürlich nicht vergleichbar mit richtigem Winter, aber da es auch keine Outdoor-Aktivitäten zulässt, kann es doch belastend sein.

Meine erste Maßnahme gegen das Wintertief war das Fitnessstudio. Ich gehe mit Paula, einer Freundin aus dem Krankenhaus hin, zusammen macht es einfach mehr Spaß! Außerdem ist es ein guter Ausgleich zum Alltag und dem Krankenhaus. Besonders das Spinning (Fahrradfahren in einem kleinen Raum zu lauter Musik) hat es mir angetan! Nach dem Sport gönnen Paula und ich uns meist noch einen Sauna-Gang, er ist das absolute Highlight des Nachmittags! Ich mag es so sehr, gemeinsam mit Paula zum Sport mit anschließender Sauna zu gehen.

Ansonsten haben wir an den Wochenenden kleinere Ausflüge gemacht. Mit Mina war ich in Caesarea. Es ist eine kleine Stadt an der Küste Israels, die vor allem bekannt ist für ihre römischen Ruinen. Unter den Römern entstand dort ein bedeutender Handelshafen. Heute sind große Teile der Stadt noch erhalten. Wir übernachteten in einem schnuckeligen Hostel 1h Stunde von Caesarea entfernt und liefen am nächsten Morgen am Strand entlang zu den Ruinen. Es war windig und kalt. Die See war aufgewühlt. Links von uns erhoben sich die Dünen. Uns ergriff ein richtiges Ostsee-Feeling. Richtig schön! Im Endeffekt würde ich diesen einfachen Strandspaziergang als das Highlight unseres Trips bezeichnen.

An einem anderen Wochenende war ich mit Toni in dem Nahal Mearot Nationalpark. Eigentlich wollten wir nach Akko fahren. Als wir dort jedoch am Donnerstagabend ankamen, war die Stadt wie ausgestorben. Enttäuscht entschieden wir uns, wieder zurück zu fahren. Es kann halt nicht alles klappen. Stattdessen fuhren wir in besagten Nationalpark. Er beherbert eine der wenigen Höhlen weltweit, in denen die Coexistenz von Neandertalern und dem modernen Menschen nachgewiesen wurde. Dieses Zusammenleben hatte zur Folge dass heutzutage immer noch 1%-4% der DNA europäischer und asiatischer Menschen mit der der Neandertaler übereinstimmt. Ohne es zu wissen, hatten wir uns an solch historisch wertvolle Orte begeben!

mit meinen Mädels 🙂

Leider löschten wir all unser angeeignetes Wissen noch am gleichen Abend, indem wir uns große Mengen wertvoller Spirituosen munden ließen (upsi). Der Abend war allerdings unschlagbar spaßig und lustig!

Außerdem besuchte ich Lotti in Jerusalem. Ich fuhr einfach mal an einem Dienstag zu ihr. Gemeinsam stromerten wir über die Dächer der Altstadt. Danach besuchten wir die Armenische Taverne. Die war noch vollkommen weihnachtlich geschmückt: es stand noch ein Weihnachtsbaum und die ganze Zeit liefen Weihnachtslieder (Mitte Januar!). Eine Woche später kam Lotti nach Tel Aviv. Ich zeigte ihr einen Aussichtspunkt bei mir in der Nähe. Die Sicht war echt atemberaubend.

Leider eskalierte das Schimmelproblem wieder extrem. Ein Schlafzimmer wurde komplett unbrauchbar. Alles war voller Schimmel. Einen Vorteil hatte diese Katastrophe aber: es war so schlimm, dass die Israelis keine andere Wahl hatten, als sich dem Problem anzunehmen und es zu lösen. Jetzt ist er weg und jeder kann wieder in seinem Zimmer schlafen. Gott sei Dank! Es kann echt belastend sein, wenn jemand über Wochen im Wohnzimmer schlafen muss.

Ansonsten war ich halt auf Arbeit. In letzter Zeit bekomme ich immer mehr mit, wie Menschen sterben. Für mich ist das oft nicht leicht. Aber das wird schon. 🙂 Mein Hebräisch wird langsam immer besser. Das ist echt motivierend. Außerdem ist es gut für meinen Kopf!

Sobald das Wetter wieder besser wird, können wir auch wieder größere Ausflüge machen und wandern gehen. Darauf freue ich mich schon riesig! Ich lasse euch wissen, wenn es soweit ist.

Bis bald, lehitraot!

Ski in Israel

Shalom!

Die Reaktion meiner Mama als ich ihr erzählte, dass ich heute dorthin fahren würde, wo Schnee liegt, sah ungefähr so aus: ,,Isabel, du bist im Nahen Osten. Wo gibts da Schnee …???“

Tatsächlich gibt es einen Ort in Israel, an dem jedes Jahr Schnee liegt: der Berg Hermon im Norden des Landes, direkt an der Grenze zum Libanon. Er beherbert das einzige Ski- und Wintersportresort Israels. Und ganz ehrlich, wie lustig ist es bitte, in Israel Schnee zu sehen?

,,Ha’ar Hermon“

Ich war vorerst skeptisch gegenüber dem „Skifahren“-Teil unseres Plans. Das letzte Mal bin ich 2008, vor 12 Jahren Ski gefahren. Jedoch packte mich dann die Vorfreude und ich schloss mich unserem Trupp an.

Insgesamt mitgekommen sind Toni und ich aus Tel Aviv, vier Jerusalemer Freiwillige, darunter Manu und Lotti, die auch mit mir in Ein Gedi waren, und Benedict, ein Freiwilliger aus Haifa.

Wir mieteten einen Schlafplatz, nahmen einen Tag frei und fuhren kurzerhand die 4,5h nach Majdal Shams, einem Kaff in der Nähe vom Hermon hoch. Empfangen wurden wir von unserem arabischen Gastgeber mit Tee und Keksen. Als wir dann ganz deutsch unser mitgebrachtes Essen auspackten und anfingen zu kochen, schaute er nicht schlecht .. 😀

Am nächsten Tag ging es für uns auf die Piste! Nachdem wir zum Skigebiet getrampt waren, unsere Ausrüstung ausgeliehen und angeschnallt hatten, standen wir dann da. Bei -2°C. Im Schnee. Auf Skieren. Und nun???

Toni und ich waren die blutigen Anfänger unserer Gruppe. Eigentlich sind wir nur aus Spaß und der Ironie heraus mitgekommen. Für uns beide war es das erste Mal seit einer sehr langen Zeit auf Skiern. Also ging es für uns erstmal ganz professionell zur Kinderpiste. Als ich nach unserer ersten ,,Abfahrt“ vom Lift den Hang hochgezogen wurde, realisierte ich erstmal, dass ich gerade wirklich in Israel Ski fahre! Cooles Gefühl.

Nachdem ich die ersten Versuche ganz erfolgreich gemeistert hatte, befand ich mich durch irgendwelche seltsamen Umstände auf einmal mit Manu auf dem Lift hoch zur roten Piste. Tja, und oben angekommen gab es auch kein Zurück mehr. Also noch einmal tief Luft holen und runter da. Und es war so geil! Natürlich habe ich mich ein paar Mal hingelegt, aber zum Teil bin ich richtig schnell den Berg hinunter! Unten angekommen war ich voll mit Adrenalin und Glückshormonen.

Leider zog es sich dann zu und begann zu schneien. Toni und ich entschieden uns deswegen, im unteren Teil der Piste zu bleiben (nicht so wie die anderen Profiskifahrer-Adrenalinjunkies unserer Gruppe). Außerdem haben wir uns noch eine Pause auf der Techno-Berghütte gegönnt. Umgeben von intensiven Graswolken, bester Clubmusik und bierschlürfenden Israelis genossen wir unseren Kaffee. Gewissermaßen ein wenig Tel Aviv-Feeling auf 2800 Höhenmetern.

Unser Weg zurück gestaltete sich als ein wenig aufregender als geplant. Wir waren so spät dran, dass fast keine Autos mehr auf dem Parkplatz standen, die uns mit runter nehmen könnten. Jedoch waren wir aufs Trampen angewiesen. Toni und ich standen am Ende bei 2°C alleine da und hatten unfassbar großes Glück, als wir von einem der letzten Autos mitgenommen und sogar bis vor die Haustür gefahren wurden!

Am nächsten Tag ging es für uns wieder nach Tel Aviv. Empfangen wurden wir mit Sonnenschein und 15°C. Bei uns kamen echte Frühlingsgefühle auf. Da wir uns ja einen Tag freigenommen hatten, lag das gesamte Wochenende noch vor uns. Und was macht man an einem freien Wochenende in TLV? Natürlich feiern und das Nachtleben der Stadt genießen! 😀

Jetzt bin ich wieder zurück auf Arbeit und kann nur von meinem nächsten Mal Skifahren träumen. In meinem nächsten Eintrag werde ich die Ereignisse des Januars ein wenig für euch zusammenfassen. Es tut mir leid, dass schon wieder so lange nichts gekommen ist.

Bis dahin, lehitraot meine Lieben!

Heute trage ich blau!

Shalom!

Heute ging es für mich in die „Chederim Nituach“, in die Operationsräume. Unser Krankenhaus hat 25 Stück davon, was heißt, dass pro Tag bis zu 70 Operationen stattfinden können. Des Weiteren sind die Operationsräume und auch die Notaufnahme im Untergeschoss, sodass sie im Kriegsfall weiterhin funktionsfähig sein können.

Aber man kann natürlich nicht einfach in die Operationsräume gehen, nein! Ich musste im Krankenhaus 3x auf und ab laufen und ständig Leute anquatschen, um endlich meine Zuständige zu finden. Diese gab mir dann meine Uniform für den Tag. Im OP wird nämlich von allen nur blau getragen. Außerdem gibt es für jeden eine schickes Haarnetz und Schuhtüten. Auf allen anderen Stationen gibt es nur grüne, weiße und blau-weiße Uniformen.

Ich würde mir eine „Right Colectomy“ anschauen. Was ist das? Es ist die Entfernung des rechten Dickdarmabschnittes. In meinem Fall lag in diesem Darmabschnitt ein Tumor vor, der auf diese Weise entfernt werden sollte. Der verkürzte Dickdarm wird anschließend mit dem Dünndarm verbunden.

Jeder im OP war total nett zu mir. Ich durfte mit im Operationsraum bleiben und von ganz Nahem anschauen. Die Ärzte mussten den Bauch aufblasen und haben die OP über Kameras im Bauch der Patientin gelenkt. Ich konnte von außen sogar heimlich ein Bild für euch machen, hihi.

Der Moment, als der Darm aus dem Bauch geholt wurde, war echt cool! Der Tumor hatte tatsächlich eine schwarze Farbe!

Die nächste Operation behandelte eine „Hernia“. Dies ist der Bruch oder Austritt von Eingeweiden aus der Bauchhöhle durch eine Lücke in den angrenzenden Gewebeschichten. Der Mann, am dem die Operation durchgeführt wurde hatte diese Krankheit tatsächlich nur durch eine vorherige Operation bekommen. Diese hatte Muskelschichten beschädigt, wozu es zu dem Austritt kam.

Ich entschied mich, den Anfang noch anzuschauen. Und schwupp, eine Stunde später, hatte ich einen offenen Bauch vor mir liegen! Unglaublich.

Ich hoffe, niemandem ist beim Lesen dieses Eintrags schlecht geworden. Mir hat der Tag sehr gefallen!

Bis bald, lehitraot!

PS: Holger, falls ich medizinische Ungenauigkeiten untergemischt habe, kannst du mich gerne berichtigen!

Heimatausflug zu Weihnachten

Shalom!

Über Weihnachten war ich für eine Woche „Zuhause“ in Deutschland. Warum das Zuhause in Anführungszeichen? Kurz bevor ich geflogen bin, meinte Toni zu mir:,, Ach Isa, im Moment ist es so schön hier mit unseren Freunden, auf Arbeit und insgesamt so.“ Ich antworte:,, Ja, finde ich auch. Aber dann ist es doch umso schöner, nach einer Woche wieder nach Hause zu kommen.“ Eigentlich war das nur ein Versprecher, aber manchmal fühle ich mich wirklich heimisch hier.
Auf dem Weg zum Flughafen habe ich wieder einmal realisiert, wie glücklich ich sein kann, hier zu sein. Ich fahre aus meinem einen Jahr“ Urlaub“ nach Hause in den Urlaub. Ich habe eine Auszeit von meinem Aufenthalt hier genommen, aber es war ein schönes Gefühl zu wissen, dass es nicht zu Ende ist. Es war außerdem mein erstes Mal, dass ich alleine geflogen bin. Cooles Feeling, ich fühlte mich sehr unabhängig.
Zu Hause angekommen haben mich meine Schwester, meine beste Freundin und der Freund von meiner Mama in die Arme genommen. Die nächsten Tage waren vollgepackt. Ich habe viele meiner Freunde und meine Familie getroffen. Es war richtig schön, alle wieder zu sehen! Ich war auf dem Weihnachtsmarkt und habe richtigen deutschen Glühwein getrunken. Am ersten Tag in Deutschland sind wir erstmal ins Kaufland und haben einen Großeinkauf zu moderaten Essenspreisen gemacht, hihi. Außerdem gabs Spaghetti Carbonara von Mama! Auch mit meinem kleinen Bruder und meiner Schwester habe ich so viel Zeit wie möglich verbracht.
Weihnachten haben wir ganz traditionell in der Kirche und in den folgenden Tagen in Familie verbracht.


Es war schon cool, so eine Pause von der israelischen Unordnung zu haben. Außerdem musste ich mir während der ganzen Zeit keine Gedanken darüber machen, was ich heute Abend esse, wann ich Wäsche wasche und ob der Abwasch schon gemacht ist.
Ich war aber auch froh, wieder zurück in mein zweites Leben zu fahren. Ich genieße die Selbstständigkeit total. Auch wenn es manchmal nervig ist, mag ich es selbst entscheiden zu können, was auf den Tisch kommt.
Deutschland ist wie der ruhige Hafen, in den ich immer zurückkehren kann.

Am 27.12. Bin ich wieder zurück geflogen. Ich wurde mit einem typisch israelischem Moment empfangen: gleichzeitig kamen vier Flüge an, alle Passagiere strömten zur Passkontrolle und die Schalter? Waren einfach 15 Minuten lang nicht besetzt! Zum Glück habe ich es noch geschafft, vor Shabbat nach Hause zu kommen.

Ich war sofort wieder im Israel-Alltag drin. Trotzdem bin ich ziemlich geknickt, meine Liebsten so lange nicht mehr zu sehen…

Am Dienstag war Silvester. Wir haben eine große Party bei uns in der Wohnung geschmissen. Es gab zwar kein Feuerwerk, aber dafür haben wir für ordentliche Stimmung gemacht!

Bis bald, lehitraot!

Dezember in TLV

Shalom!

Da ich im Dezember so wenig geschrieben habe, hier ein Eintrag, der die letzten Wochen zusammenfasst:

Unsere Adeventszeit wurde ganz Tel-Aviv-mäßig mit einer (Advents-)Party eingeläutet. Danke an unsere geliebte Nachbar-WG für den lustigen Abend! Sie haben sogar einen ,,Weihnachtsbaum“ aus Palmenblättern und richtige Weihnachtsdeko gebastelt! Am nächsten Tag waren wir mit Freunden aus Haifa im Tel Aviver Art Museum. Das Museum ist riesig. Wir konnten bei Weitem nicht alles sehen. Doch die Ausstellungen wechseln regelmäßig, ich werde auf jeden Fall nochmal hingehen müssen.

Leider folgten auf dieses Wochenende zwei dunkle Wochen. Mittlerweile war die anfängliche Hochphase überwunden, Alltag und Normalität kehrten ein. Wenn man aber nur Action und Rumreisen ,,gewöhnt“ ist, kommt einem der Alltag schnell eintönig vor. Ich errinnere mich, nachmittags aus dem Krankenhaus zu kommen und nichts mit mir selbst anfangen zu können. Krampfhaft suchte ich nach einer Beschäftigung, einer Ablenkung von meiner Unzufriedenheit. Ich war ruhelos und saß wie auf heißen Kohlen. Ich wollte endlich wieder abends nach Hause kommen und erschöpft ins Bett fallen. Zu Odea meinte ich:,, I`m bored of having nothing to do.“ Als jedoch ein wenig Zeit ins Land ging und Weihnachten immmer näher rückte, füllte sich zum einen mein Wochenplan wieder, andererseits wurden meine Gedanken auch auf andere Sachen gelenkt. Mittlerweile habe ich diese Phase überwunden. Ich habe mir Pläne gemacht, wie ich meine Zeit füllen möchte und nehme das jetzt auch in Angriff.

Wohnlichkeit kehrt ein

Außerdem gab es einige Lichtblicke in dieser dunklen Zeit: Eines Tages kamen wir vom Sprachkurs zurück, da stand vor unserem Haus ein Regal. Begeistert zeigte ich es Toni. Ihr gefiel es auch. Also haben wir nicht lange weiterüberlegt und das Regal nach oben in unser Apartment geschleppt. Jetzt sieht unser Zimmer auch wirklich wie ein Zimmer aus! 🙂

Ein paar Tage später klopfte es an unserer Tür. Unsere Nachbarn standen davor und erklärten uns verzweifelt, dass, sobald wir warm duschten, unser Wasser in ihre Wohnung laufen würde. Es gab ein Leck in der Warmwasserleitung. Für uns hieß das: eine Woche lang nur eiskalt duschen! Juhu! Anfangs hatte es noch eine gewisse Komik in der Dusche zu frieren und dabei ,,Ice Ice Baby“ zu hören, aber leider wurde ich sehr schnell krank. Da Wohnungen in Israel nämlich grundsetzlich keine Heizungen haben, kühlte unsere sehr schnell aus. In Kombination mit einer Eisdusche jeden Tag nur semi-cool. Auf jeden Fall bekamen wir einen Handwerker, der unser Problem lösen sollte. Unser ,,Handyman“ Eli beschloss dann, alle Wasserleitungen neu zu verlegen. Israelische Qualitätsarbeit unterscheidet sich jedoch deutlich von deutscher (Löcher in den Wanden, zentimeterdicker Staub, offene Wände, Chaos). Für zwei Wochen lebten wir -sagen wir mal- sehr provisorisch. Das war ein Spaß :-). Mittlerweile ist alles überstanden. Wir haben wieder Warmwasser und geschlossene Wände.

An dem Wochenende vor Weihnachten haben Toni und ich unsere lieben Freunde in Haifa besucht. Haifa begrüßte uns bewölkt und voller Regen. Bevor wir jedoch traurig über das Wetter werden konnten, entdeckten wir, was es heißt, wenn Gussregen einen Berg ohne Abflüsse runterläuft. Auf den Straßen bildeten sich richtige Flüsse. Da mussten wir natürlich rein! Gesagt, getan, auf gings in die Wasserschlacht! Unterkühlt, aber glücklich kamen wir zurück in die Wohnung. Am Samstag danach haben wir beim Plätzchenbacken das erste Mal in Israel richtige Weihnachtsstimmung verspürt. Außerdem haben wir uns die Bahai-Gärten, die einzigste Sehenswürdigkeit Haifas, angeschaut.

Legendärer Bratapfel

Weihnachten wird ins Israel nicht groß gefeiert. Im Krankenhaus haben sie mir sogar erzählt, dass Weihnachen von den Juden nicht gemocht wird, da am 24.12. viele Juden im Holocaust vernichtet wurden. Silvester wird auch skeptisch betrachtet, da der liebe Herr Silvester ein Antisemit gewesen sein soll. Wir haben es uns trotzdem nicht nehmen lassen, ein Stück Weihnachten in die Ferne zu holen. Kurz vor Weihnachten haben wir ein festliches Bratapfel-Essen mit winterlicher Musik und gemütlichem Beisammensein veranstaltet.

Und ein Geschenk haben wir auch bekommen: Meine Mitbewohnerin Harriet hat eine kleine Babykatze auf der Straße gefunden, die jetzt Teil unserer WG werden soll. Sie ist nur zwei Monate alt. Wir haben ihr den Namen ,,Motek“ gegeben, der soviel wie ,,Süße“ auf Hebräisch heißt (und auf polnisch bedeutet es ,,Hammer“).

Bis bald, lehitraot!

Arbeitsalltag

Shalom!

First of all: es tut mir leid, dass ich mich so lange nicht gemeldet habe! Ich habe es einfach total verpeilt… Letztens musste ich meinen Zwischenbericht über die ersten drei Monate hier schreiben. Unter anderem wurde ich über meinen Arbeitsalltag und -abläufe gefragt. Das nehme ich jetzt einfach mal als Anlass, dies hier mit euch zu teilen.

Also Trommelwirbel und Bühne auf! Hier kommt mein Tag im Krankenhaus:

Vitalzeichen am Morgen

Meine Schicht geht von 7:00 bis 15:00 Uhr. Ich bin meistens kurz nach um 7 Uhr auf der Station. Das gibt mir genügend Zeit mich umzuziehen, noch kurz mit den Schwestern zu quatschen und ein Gläschen Wasser zu trinken, ehe ich mich gegen 7:15/7:30 Uhr ans Blutdruckmessen mache. Ich bin für den Blutdruck aller Patienten (zwischen 35 und 40 Personen) auf der Station zuständig. Mit meinem Wägelchen gehe ich dann in jeden Zimmer und messe Blutdruck, Fieber, Sauerstoffgehalt und Puls. Kommt mir etwas nicht koscher vor, melde ich es den Schwestern. Halb 10 bin ich dann meistens fertig. Daraufhin geht es in die Frühstückspause. Wenn ich Glück habe, kann ich die mit einer Kollegin oder meiner israelischen Freiwilligen zusammen machen. Danach werden die Tabletts fürs Mittagessen vorbereitet. Bis 11:30 Uhr erledige ich anfallende Aufgaben. Mal muss ich den Alkohol auffüllen, mal Betten und Nachtschränke putzen, mal kann ich einer Patientin in der Dusche helfen oder mache Botengänge. 11.30 Uhr geht es dann an das Blutzucker messen.

Date an der Sterilisatia

Danach tausche ich im Keller die gebrauchten, dreckigen Masken und Schüsseln in neue, sterile um. Hier treffe ich oft meine Mit-Freiwilligen oder halte ein lustiges Pläuschchen mit den Angestellten. Meine Mittagspause geht cira von 12:30 Uhr bis 13:30 Uhr. Oftmals muss ich dann noch irgendwas von irgendwo holen oder hinbringen. Nachdem ich die Tabletts nochmal fürs Abendbrot vorbereitet hab, setze ich mich meistens in den Empfangsbereich und helfe Patienten. Manchmal habe ich auch Zeit, mit meiner israelischen Freiwilligen Odea zu chillen und Kaffee zu trinken. Odea ist auch 19 Jahre alt und leistet ihren Zivildienst im Krankenhaus ab. Ihre Aufgabe auf der Station ist es lediglich, Blut zu nehmen. Sie ist übrigens auch nie um 7 Uhr da, sondern kommt so zwischen 8:00 und 9:30 Uhr auf Station eingetrudelt (israelisch halt!). Kurz vor 15 Uhr geht’s dann nach Hause!

Wird mir manchmal langweilig? Ja. Fühle ich mich manchmal unterfordert? Ja! Gibt es trotzdem gute Zeiten? Hach, machmal, ganz manchmal gibt es ein kleines Licht im Dunkeln… 😀

Nein, so schlimm ist es nicht. Ich wusste ja, was auf mich zukommt. Außerdem lerne ich fleißig Hebräisch und mache mir mit den anderen Freiwilligen eine schöne Zeit. Ich lerne viel über Zwischenmenschliches, Beziehungen und die Abläufe im Krankenhaus. Zum Beispiel habe ich hier festgestellt, wie sehr ich alte Leute mag. Etwas, was ich vorher noch gar nicht über mich wusste. Mit dem ein oder anderen Patienten habe ich sogar schon Nummern ausgetauscht, hihi!

Bis bald, lehitraot!

Isabel